ARCH+ 168

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Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 22-23

ARCH+ 168

Hochgeschwindigkeitsurbanismus

Von Ngo, Anh-Linh

Für Revolutionen sind Proletarier am besten geeignet, denn sie haben nichts zu verlieren, [...] aber für die Produktion von Stadt seid ihr Kapitalisten die absolute Nummer eins. Mao Tse Tung Es gibt kaum einen Vorgang des öffentlichen Lebens in China, der nicht mit einem passenden Mao- oder Deng-Zitat kommentiert werden kann. Ob diese Zitate authentisch sind, ist letztlich irrelevant. Es verbirgt sich dahinter ein Bedürfnis nach Rückversicherung, nach nachträglicher Rechtfertigung für Dinge, die nicht mehr der eigenen Kontrolle unterliegen und daher akzeptiert und der eigenen Weltsicht einverleibt werden. Diese Art von Pragmatismus scheint die z.Zt. einzig gültige Ideologie in China zu sein, trotz bzw. gerade wegen des noch weithin sichtbaren Alleingeltungsanspruchs der Kommunistischen Partei. Es ist ein Aperçu der Geschichte, daß ausgerechnet eine Kommunistische Partei die totale Ökonomisierung des Lebens von über 1,2 Milliarden Menschen zu verantworten hat. Die seit 1978 betriebene Politik der ökonomischen Öffnung setzt das Riesenreich unter einen bisher ungekannten Urbanisierungsdruck, der einzig mit der Entwicklung Europas in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist – nur, daß die Dimensionslosigkeit und Gleichzeitigkeit der ablaufenden Prozesse alles Dagewesene in den Schatten stellen und das Vorstellungsvermögen sowie die Planungsinstrumente außer Kraft setzen. So ist die Zahl der Städte zwischen 1980 – 1995 von 233 auf 668 hochgeschnellt, mit über drei Dutzend Millionenstädten derzeit.

Nach dem offiziellen Entwicklungsplan soll bis 2030 mit 880 Millionen Städtern ein Urbanisierungsgrad von 55 Prozent erreicht sein (aktueller Stand 37,7 Prozent). ...

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