ARCH+ 87

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Erschienen in ARCH+ 87,
Seite(n) 41-46

ARCH+ 87

Detail

Von Bienefeld, Heinz /  Kuhnert, Nikolaus

Als Detailfetischist bezeichnet er sich selbst: Heinz Bienefeld läßt in jeder Kleinigkeit den Entwurf als Ganzes aufleben. Wahrheit und Logik sind dabei der Maßstab - egal ob bei klassischer Architektur oder High Tech.

ARCH*: Welche Rolle spielt die Detailierung bei Ihrem A rchitekturverständnis? Denn das Detail tritt als Problem erst seit der Industrialisierung des Baugewerbes auf: Architektur konstituiert sich nicht mehr nach tektonischen Gesichtspunkten - beispielsweise einer massiven Wand, die trägt, dämmt und schützt -, sondern die einzelnen Elemente und Funktionen fallen auseinander, sodaßjede Einzelheit isoliert wichtig wird; am extremsten geschieht das bei High Tech Architektur. Hat Detailierung heute die Aufgabe, das herauszuarbeiten, was sich früher „naturgemäß"dadurch ergab, daß man einem bestimmten Repertoire an Architekturlösungen folgte?

Heinz Bienefeld: Heute machen wir etwas, was keine Tradition mehr hat, sondern eine freie Erfindung ist, die trotzdem in eine Entwicklung eingebunden werden muß. Das ist das eigentliche Problem. Die klassische Architektur ist nur noch als Fragment möglich, denn man müßte sie mit allen Konsequenzen vollziehen; aber das übersteigt unsere heutigen Möglichkeiten. Wenn man ein Detail entwirft, muß jeder Punkt, an dem Lasten und Tragen aufeinandertrifft - Ecken, Türen, Wand, Fenster usw. -, jede Bewegungsrichtung, Beginn und Ende in einem bestimmten Verhältnis, einer bestimmten Dimensionierung ausgebildet werden. Das macht die künstlerische Arbeit aus. Vielleicht kann man das an einem Satz aus einer Baufibel für den kleinen Mann und den Bauunternehmer aus dem letzten Jahrhundert festmachen: „Die Bauformen haben den Zweck: den Beginn, die Wirkung und das Enden der Bauteile und damit den Zusammenhang derselben untereinander in einer jedem Gebildeten verständlichen Weise auszudrücken." (A. Scheffers: Architektonische Formenschule, Leipzig 1862). Das Entscheidende ist, daß alle Teile ein ganz bestimmtes Verhältnis haben, das zwar variieren kann, aber nie unbegrenzt...

 

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