ARCH+ 84

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Erschienen in ARCH+ 84,
Seite(n) 4-5

ARCH+ 84

Weshalb soll ein historisches Nationalmuseum errichtet werden?

Von Baumunk, Bodo

Das germanische Nationalmuseum Historiker, die ein Deutsches Historisches Museum fordern, in dem man aus der Geschichte lernt oder lernen soll, wobei die Einsichtigeren immer wieder betont haben, daß man aus der Geschichte vor allem Skepsis gegen Historiker-Analogien lernen kann, werden verstehen, daß das neue Berliner Projekt den Rückblick auf ein ähnlich ehrgeiziges Vorhaben im 19. Jahrhundert lenkt, das zwar heute zu den angesehendsten Museen in der Bundesrepublik gehört, das aber jetzt nur noch wenig mit den Intentionen gemein hat, an die seine Schöpfer gedacht haben, gemeint ist das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Gedacht, wie es der Gründer, der Freiherr von Aufseß, 1858 geschrieben hat, um der „Vaterlandsliebe eine kräftige, gesunde Nahrung zu bieten, die Einheitsbestrebungen eines großen aber verschiedenartig gruppierten Volkes in ein friedliches Bett hinüber zu leiten, und an die Stelle der abstrakten zerstörenden Idee" - gemeint ist die 1848er Revolution - „die historische Tatsache zu überwiegender Gestaltung zu bringen."

Das Museum sollte als „ewiger Einigungspunkt der Nation", „als Kristallisationspunkt nationaler Identität in der staatlichen Zersplitterung" wirken. Manche Frage, die sich die Nürnberger damals stellten, taucht in den heutigen Diskussionen wieder auf. Etwa: Wo beginnen mit der zeitlichen Eingrenzung des Museumsgegenstandes? Wo enden? Damals in Nürnberg, als sich die Vorstellung von Deutscher Nation an der mittelalterlichen Reichsherrlichkeit, an der Reichstradition des Mittelalters orientierte, entschied man sich für das Jahr 1630 als Endpunkt. Heute, wo mit Nation vor allem das Bismarck-Reich gemeint ist, will man hier noch nicht einmal anfangen, so wie es das erste Gutachten zum Deutschen Historischen Museum vorgesehen hat. Oder - viel banaler - wo sollte ein Deutsches Nationalmuseum in Nürnberg, damals im 19. Jahrhundert, juristisch angesiedelt sein, wenn es keinen gesamtnationalen Geldgeber gab und man überdies auf die Unterstützung eines alle nationalen Einigungsbestrebungen mit Argwohn verfolgenden bayerischen Königs angewiesen war? Auch dies bemerkenswert vor dem Hintergrund des heutigen deutschen Nationalmuseumsprojekts in Berlin, von dem noch kein Mensch weiß, ob es eine Bundes- oder eine Landesinstitution sein wird, eine rechts- oder nicht rechtsfähige, oder gar eine Stiftung...

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