ARCH+ 157


Erschienen in ARCH+ 157,
Seite(n) 56-59

ARCH+ 157

Glashäuser

Von Schnell, Angelika

"Kann man im Haus Tugendhat wohnen?" Als der Kunstkritiker Justus Bier 1931, kurz nach Fertigstellung der Villa von Ludwig Mies van der Rohe diese provozierende Frage stellte, waren die Antworten darauf noch strittig: viele Kritiker verneinten die Frage, während die Eigentümer, Grete und Fritz Tugendhat, ihr neues und modernes Zuhause leidenschaftlich verteidigten. Heute hingegen wäre die Situation anders, die einhellige Antwort auf Biers Frage würde wohl "Ja" lauten. Die großen Glasflächen des Wohntraktes und der offene Grundriß sind uns als Zeichen gehobenen Lebensstandards inzwischen genauso geläufig wie die damals ebenfalls unerhörte Verwendung einer Stahlkonstruktion im Wohnungsbau oder einer Lichtschranke im Eingangsbereich, als Bestandteil eines Alarmsystems. Es ist sogar wahrscheinlich, daß sich heutzutage die meisten (und damit sind nicht die Architekturkritiker gemeint) nach einem Haus wie der Villa Tugendhat geradezu die Finger lecken würden.
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