ARCH+ 176/177


Erschienen in ARCH+ 176/177,
Seite(n) 20-27

ARCH+ 176/177

Atmosphärenwechsel

Von Krausse, Joachim /  Kraft, Sabine

Joachim Krausse im Gespräch mit Sabine Kraft

 

„Die Vermarktung von Atmosphären Die voranschreitende Ökonomisierung der Wohnsphäre bedeutet, daß hier eine immense Beschleunigung der Umschlagzeiten des Kapitals stattfindet, die vor allem auch jenen Bereich erfaßt, der bisher ein Zwitterdasein zwischen Immobilie und Mobiliar geführt hat, den Innenausbau. Was das Mobiliar betrifft, so sind die Zeiten, als Anschaffungen fürs Leben gemacht wurden, längstens vorbei. Die warenästhetische Durchdringung hat sich des gesamten Interieurs bemächtigt, der sogenannten persönlichen Sphäre. Gerade sie bietet mit dem Wunsch nach Selbstdarstellung und -inszenierung ideale Anknüpfungspunkte. Die Bedeutung des Ensembles für die atmosphärische Wirkung eines Objekts ist im Marketing gut verstanden worden. Es werden keine Einzelobjekte wie Fliesen, Waschbecken oder Küchenschränke mehr verkauft, sondern Atmosphären, in die diese Einzelobjekte eingebettet sind. Du hast Atmosphäre als Immersionsraum gekennzeichnet, in den man eintaucht. Die gesamte Warenwelt besteht aus Immersionsräumen. Sie dienen nicht mehr so sehr dem Transport von zusätzlichen Gebrauchswertversprechen einzelner Objekte, das natürlich auch, sondern es geht um den gesamten Lebenszuschnitt, um das jeweils neue Modell, nach dem das Wohnen sich organisieren soll. Aufschluß darüber erhält man in den Events und Produktinfos der Firmen, aber auch in den Architektenentwürfen zeigt sich teilweise schon dieser atmosphärische Zugriff. Atmosphäre suggeriert über die Stimmung künftige Befindlichkeiten. Die Kraft dieser Suggestion ist nicht zu unterschätzen.&ldquo

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