ARCH+ 176/177


Erschienen in ARCH+ 176/177,
Seite(n) 51-54

ARCH+ 176/177

Grundrißtableaux

Von Kraft, Sabine /  Mende, Julia von /  Kläser, Simone

 

Kombinatorik 1: Variabilität in Wohnungs- und GebäudegrundrißDie wohnungsinterne Variabilität wurde aus der Raumknappheit geboren. Das Thema taucht in der Moderne im Zusammenhang mit der Minimalwohnung auf. Nach dem Vorbild des verwandelbaren Eisenbahnabteils wird das Wohnen in eine Tag- und Nachtnutzung zerlegt. Der Trick der Raumvermehrung besteht in der räumlichen Überlagerung zeitlich getrennter Nutzungen, dabei entsteht aus einer 40 qm eine 70 qm große Wohnung. Voraussetzung sind leicht verschiebliche Zwischenwände wie bei dem Serienhaus Citrohan (1922) oder bewegliche Möbel wie bei dem Doppelwohnhaus Loucheur (1929) von Le Corbusier. Diese Form der Flexibilität hat noch leise Nachklänge in einigen Serviceschienenentwürfen, die mit dem Prinzip der Raumverwandlung arbeiten. Die heutige Form der Grundrißvariabilität dagegen liegt in der Variationsbreite denkbarer Lösungen, d.h. der unterschiedlichen Aufteilungsmöglichkeiten innerhalb derselben wohnungsbegrenzenden Wände. Ausgangspunkt dafür bildet in der Regel ein freier Grundriß, der mit nichttragenden Wänden verschieden unterteilt werden kann. Eines der großen Vorbilder ist Mies van der Rohes Geschoßwohnungsbau in der Weißenhofsiedlung, der die Variationsbreite vom offenen Raum bis zu konventionell aufgeteilten Wohnungen demonstriert. Die Beispiele von Juul & Frost und Fink und Jocher in Hannover gehören in diese Kategorie. Offen bleibt hier allerdings die Frage des Zweitmieters, der eine zwar prinzipiell veränderliche, aber erst einmal festgelegte Struktur vorfindet. Die gebäudeinterne Variabilität bezieht sich auf die Anzahl unterschiedlicher Grundrisse innerhalb eines Gebäudes, also das Wohnungsgemenge, wobei es im ersten Schritt bei der Variation innerhalb eines Geschosses nur um verschiedene Größen geht und erst im zweiten Schritt bei der geschoßübergreifenden Variation auch um die Kombination unterschiedlicher Typen. Die ausgewählten Beispiele verfolgen zwei grundsätzlich differente Methoden: Bei der ersten Methode (Alder Müller Nägelin, Diener & Diener und Fink und Jocher in München) handelt es sich um eine netzwerkartige Grundstruktur gleichgroßer Räume um ein zentrales Treppenhaus, die zu verschiedenen Wohnungen zusammengeschaltet werden können. Diese Art der Erschließung setzt natürlich Beschränkungen für die Gebäudegröße. Die zweite Methode arbeitet mit beliebig addierbaren Schotten, die über einen Laubengang erschlossen werden. (Wimmer, Schaudt). Vorbild sind hier die z.B. von Darbourne und Darke im Umfeld des Greater London Council in den 70er Jahren entwickelten neuen Typologien der Stapelung von Maisonetten und Geschoßwohnungen. Eine Mischung beider Methoden liegt bei 03 München vor

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