ARCH+ 180


Erschienen in ARCH+ 180,
Seite(n) 30-32

ARCH+ 180

Other Economies for Another Architecture / Andere Ökonomien für eine andere Architektur

Von Sassen, Saskia /  Grüntuch, Armand /  Ernst, Almut /  Ngo, Anh-Linh

Saskia Sassen in conversation with Armand Gruentuch, Almut Ernst and Anh-Linh Ngo / Saskia Sassen im Gespräch mit Armand Gruentuch, Almut Ernst und Anh-Linh Ngo Saskia Sassen beschäftigt sich derzeit mit Mustern von Informalisierung in hoch entwickelten globalen Städten. Die von ihr untersuchten räumlich-ökonomischen innerstädtischen Segmentierungen betrachtet Sassen vornehmlich in der Perspektive von Kreativsektoren und migrantischen Akteuren. Die Soziologin ist für den zentralen Essay der 10. Architektur Biennale Venedig verantwortlich und lehrt an der University of Chicago als auch an der London School of Economics. ARCH+: In Ihrer Forschung beschäftigen Sie sich unter anderem mit den Auswirkungen informeller Ökonomien auf die räumlich-ökonomische Segmentierung globaler Städte. Diese Mikroökonomien zwingen sich den existierenden ökonomischen Strukturen mittels informeller Prozesse auf und verwandeln sie. Bezogen auf die Architektur lassen sich in den letzten Jahren in Deutschland vergleichbare Prozesse beobachten. Da der professionelle Status allein zunehmend weniger in der Lage ist, jungen und kleinen Architekturbüros eine tragfähige Arbeitsgrundlage zu bieten, reagieren viele von ihnen aktiv und schöpferisch auf die sich ständig entwickelnden Rahmenbedingungen, indem sie vorhandene städtische Räume besetzen und umwandeln. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den von Ihnen beschriebenen politischen und ökonomischen Entwicklungen und der hier kurz skizzierten Praxis der informellen Transformation und Konversion eines vorherrschenden urbanen Kontextes? Saskia Sassen: Die heutigen Städte weisen Bedingungen auf, die ältere Ideen und Erfahrungen der Stadt und vor allem des öffentlichen Raums erschüttern. Wie kann die Architektur, besonders eine auf Permanenz angelegte, dieser Erschütterung entkommen? Die Bedingungen, an die ich dabei denke, sind der Maßstab, in dem sich die städtische Erfahrung heutzutage abspielt, die überwältigende Präsenz gewaltiger Infrastrukturen sowie das verlockende Nützlichkeitsdenken, das den Investitionsfluss lenkt. Dies führt mich zu drei Argumenten für eine Praxis, die mit und ausgehend von diesen Bedingungen arbeiten kann. Eines dieser Argumente lässt sich am besten mit einem Bild veranschaulichen, das mir vor Jahren in den Sinn kam, als ich, ausgerechnet in einem Dorf in den Schweizer Alpen, ein Gespräch mit Norman Foster führen sollte … Architektur als „bewohnte Infrastruktur“.  

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