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ARCH+ 169/170


Erschienen in ARCH+ 169/170,
Seite(n) 76-78

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Diskrete Synoden

Von Sloterdijk, Peter

Zur Theorie der Kongresse

 

Von den sechs Großkollektoren des neuen Forum Germanicum in Nürnberg: den drei Aufmarschplätzen (Luitpoldarena, Zeppelinfeld, Märzfeld), dem geplanten Deutschen Stadion, der Alten Kongreßhalle (Luitpoldhalle) und der monumentalen Neuen Kongreßhalle, von der sich ein unvollendeter Torso erhielt, kommt nur der letzteren eine gewisse Modernität zu – nicht so sehr aus architektonischer Perspektive, da es sich aber-mals um eine groteske Transposition des Kolosseums handelte, jedoch in versammlungssoziologischer Hinsicht, sofern der Typus des Kongreßgebäudes per se die Antwort der Moderne auf den Bedarf an diskreten Tagungsstätten für soziale Verbände enthält. Zugleich fällt an dem Riesenbauwerk, das Elemente der Arena, des Konzertsaals und einer wagnerisierenden Bürokratie vereinte, der dysfunktionale Charakter seiner Dimensionen auf, da ein Kongreßgebäude selbst unter NS-Voraussetzungen nur sinnvoll ist, wenn es (neben den in Nürnberg reichlich gebotenen Schauplätzen für Kult und Befehlsausgabe) auch Orte für Beratung und Diskussion zur Verfügung hält – eine Zweckbestimmung, die sich den erhaltenen Fragmenten nur mit Mühe entnehmen läßt.

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