ARCH+ 184

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Erschienen in ARCH+ 184,
Seite(n) 2

ARCH+ 184

Editorial

Von Kraft, Sabine /  Mende, Julia von /  Müller, Agnes Katharina

Nach Stand der Dinge wird uns die Klima-Energieproblematik die nächsten Jahrzehnte begleiten, wobei im globalen Maßstab keine Entspannung der Situation zu erwarten ist. Die Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Energierohstoffe und das Gerangel um die CO2-Reduzierungsquoten werden sich verschärfen, während die Emissionen seit Kioto kontinuierlich gestiegen sind und auch noch weiter steigen werden. Die Solarzellen oder -kollektoren, die wir an Dächern und Fassaden anbringen, die Wärmepumpen in den Kellern und die Erdregister unter dem Rasen, die dick verpackten Wände und die gläsernen Solarfallen ändern daran so gut wie gar nichts. Sie sind in Anbetracht der Dimensionen des Problems quantitativ unerheblich. Woran sie etwas ändern, ist der eigene Energiebedarf – Gebäude verbrauchen eine Menge davon –, und das bedeutet ein Stück Unabhängigkeit von den Global Playern im Energiegeschäft und von den Exportquoten. Worum es jetzt offensichtlich geht, ist das mühsame Zusammenkratzen jedes Quentchens Energie, das eingespart werden kann. Das ist ausgesprochen ärgerlich, wenn man bedenkt, dass bereits vor 20 Jahren feststand, dass der Eintritt in das solare Zeitalter so schnell wie möglich vollzogen werden muss, und es sich auch heute trotz Klimawandel eher um Flickwerk als um grundlegende Lösungen des Problems handelt.

Der erste Teil des Heftes gibt mit Karten, Diagrammen und Texten Materialien an die Hand, die über Energie und CO2 informieren und die den Bogen vom globalen Maßstab bis zum Gebäude spannen. Wenn denn das Sparen unser Schicksal ist, so sollten wir doch wenigstens beurteilen können, was dabei Sinn macht und was nicht.

Wen interessiert schon Gebäudetechnik? Eine Messehalle voller Wärmepumpen lässt vielleicht das Herz eines Technikfreaks höher schlagen, aber der "normale" Architekt wird sich gleichermaßen unter- wie überfordert fühlen und vermutlich langweilen. Gebäudetechnik in ihren einzelnen Komponenten betrachtet, ist auch nicht interessant, aber die Performance von Gebäuden ist es. Was sich unter dem Druck des Energiesparens anbahnt, ist eine Verschiebung der Gewichte in der Waagschale der Architektur. Architektur ist vor allem der Objekthaftigkeit von Gebäuden verpflichtet, die in der einzigartigen Qualität ihrer Form kulminiert. Daran hat sich wenig geändert. Der Schwerpunkt lag bisher darauf, dieses Objekt ins Da- Sein zu rufen, während seinem So-Sein sekundäre Bedeutung zukam. Mit der Gebäudeperformance wird eine Verhaltenskategorie eingeführt, die den Objektbegriff sprengt und die zeitliche Dimension in den Vordergrund rückt. Bei der Einsparung von Energie geht es – eine gewisse Lebensdauer vorausgesetzt – weniger um den einmaligen Aufwand beim Bauen, als um das Verhalten des Gebäudes in der Zeit und um die zuvor gesetzten Bedingungen dafür, also um das Verhältnis zwischen Klimakonzept und Gebäudebetrieb.

Ähnlich wie zwischen Architekt und Tragwerksplaner hat sich eine Arbeitsteilung zwischen Architekt und Klimaingenieur etabliert. Das ist keine sehr glückliche Entwicklung, da die energetische Performance nicht allein eine Funktion der technischen Ausstattung ist. Form und Anordnung der Gebäude, Raumkonzept. Nutzungsdispositionen, Konstruktion und Material spielen gleichermaßen eine Rolle und sollten in das Klimakonzept für ein Gebäude mit einfließen. Von daher bleibt dem Architekten wohl nichts anderes übrig, als sich über die Entwicklungen im Bereich der Gebäudetechnik auf dem Laufenden zu halten. Außerdem – und das ist zentral – geht es nicht nur um die energetische Performance, sondern um Aufenthaltsqualität und sinnliche Wahrnehmung, die zwar bei den klimatischen Faktoren anfängt, sich aber nicht darauf beschränkt

Der Hauptteil des Heftes stellt Projekte vor, die in der phantasievollen Kombination von Raum- und Klimakonzept einen eigenständigen Beitrag zur Diskussion um Performance in energetischer und ästhetischer Hinsicht leisten. Sie werden von Texten begleitet, die sich mit der Entwicklung und den aktuellen Tendenzen von Performancekonzepten auseinandersetzen und die Frage der Nachhaltigkeit im Bauen vor dem aktuellen Hintergrund neu thematisieren.

Im dritten Teil des Heftes schließlich, Forschung und Baufokus, wurden Materialien Zusammengetragen, die es dem Architekten, wie zuvor postuliert, helfen sollen, sich über die Entwicklungen auf dem Gebiet der Gebäudetechnik auf dem laufenden zu halten. angefangen bei den Möglichkeiten der Integration regenerativer Energie in das Gebäude bis zu dem traditionellen Arsenal im Umgang mit dem Klima.

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