ARCH+ 184


Erschienen in ARCH+ 184,
Seite(n) 42-51

ARCH+ 184

Performing Buildings

Von Kraft, Sabine /  Mende, Julia von

Der tatsächliche Energieverbrauch von Gebäuden gehörte lange Zeit zu den bestgehüteten Geheimnissen der Architektur. Das gilt auch für solche Neubauten, die neben der Macht oder Kultur ihrer Bauherren jenes Image der Fortschrittlichkeit repräsentieren, das gern mit den Adjektiven “solar” bzw. “grün” verbunden wird. Sie sind, was die Faktizität ihrer Performance betrifft, in Nebel gehüllt. Bereits die Frage nach den Betriebskosten galt als obszön. Und nachgefragt wurde wenig, auch nicht von den Zeitschriften nach der Veröffentlichung eines spektakulären neuen Projekts. Das Klimakonzept wurde für die Realität selbst genommen. Lediglich die grauen Mäuse der Architektur, die wenig Publizität für sich gewinnen konnten, warben mit ihrer Energiebilanz. Aber wer will von einem hässlichen Gebäude schon wissen, dass es tüchtig ist. Inzwischen ist mit dem Menetekel einer Klimakatastrophe der Energieverbrauch zur Gretchenfrage der Architektur geworden. Doch kulminiert hier nur eine Entwicklung, die mit der Wärmeschutzverordnung 1995 ihren sichtbaren Ausgang nahm. Während die Architekten im Bürobau experimentierten, um eine neue Formel für Glasfassade + Behaglichkeit zu finden, wurde an den runden Tischen in Berlin und Brüssel der künftige Energieverbrauch verhandelt und auf bürokratischem Wege kanalisiert. Das anfänglich belächelte und formal eher mittelmäßige Passivhaus diente als Vorbild für die Festlegung von Kilowattstunden pro Quadratmeter für die breite Masse des Wohnungsbaus. ...

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