ARCH+ 185


Erschienen in ARCH+ 185,
Seite(n) 62-65

ARCH+ 185

Cyberabad

Von Gotsch, Peter /  Kohte, Susanne

Am Stadtrand von Hyderabad entsteht derzeit eine neue Stadtlandschaft aus verglasten Bürokomplexen und Straßenmärkten, Hochhäusern und Ziegenherden, Apartmentsiedlungen und Hüttenlagern, riesigen Werbetafeln und Tempeln, Villen und alten Dörfern, geschmückten Geschäftshäusern und Slums. Cyberabad, wie diese dynamische, heterogene und komplexe Mischung marketingwirksam genannt wird, ist ein mustergültiges Fallbeispiel für die Stadtentwicklungspolitik im heutigen Indien, deren Ergebnis Reinhold Martin und Kadambari Baxi in diesem Heft global als „Multi-national City“ herausgearbeitet haben. Der folgende Text erörtert die zugrunde liegenden Planungsstrategien.

Hyderabad, die Hauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh, ist mit sechs Millionen Einwohnern die sechstgrößte Metropole Indiens: Die Stadt verzeichnete in den 1990er Jahren nach Delhi und Bangalore mit 32 Prozent das höchste Bevölkerungswachstum unter Städten dieser Größenordnung ; die Umlandgemeinden erlebten mit 50 bis 100 Prozent noch höhere Bevölkerungszuwächse. Dieses enorme Wachstum steht jedoch in keinem Verhältnis zu einer adäquaten Versorgung mit Arbeitsplätzen, Wohnungen und Infrastruktur: Strom und Wasser werden in vielen Innenstadtgebieten auf zwei Stunden am Tag rationiert, weniger als 20 Prozent der Bevölkerung haben einen Abwasseranschluss, zwei von fünf Einwohnern leben in Slums. Gleichzeitig bildet die junge und gut ausgebildete Bevölkerung das wirtschaftliche Entwicklungspotential der Stadt: das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren, jährlich kommen 65.000 neue Ingenieure in Andhra Pradesh auf den Arbeitsmarkt, hinzu kommt, dass die Lohnkosten zu den niedrigsten im Land gehören. ...

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