ARCH+ 191/192


Erschienen in ARCH+ 191/192,
Seite(n) 52-59

ARCH+ 191/192

Fenster

Von Teyssot, Georges

Zwischen Intimität und Extimität

Menschen könnten als „Tiere mit Fenstern“ definiert werden. Mit „Fenster“ ist hier das gemeint, was zwischen dem Subjekt und der Welt als Vermittelndes steht. Dabei handelt es sich nicht so sehr um ein Medium an sich, sondern eher um etwas, das die Dinge der Außenwelt mit uns verbindet. Aber wie jedes andere Werkzeug (einschließlich der Sprache) hat das Fenster neben der verbindenden zugleich auch eine trennende Funktion. Es definiert viele gegensätzliche Räume: die Außenwelt und das Interieur, was von Licht beleuchtet wird und was im Schatten bleibt, das Sichtbare und das Unsichtbare, das Öffentliche und das Private. Erkennt man den aktuellen Verlust traditioneller öffentlicher Räume an, wird eine Neubestimmung der Grenze zwischen öffentlicher und privater Sphäre unumgänglich. Daraus erwächst die Frage, ob wir uns einen öffentlichen Raum vorstellen können, der auf Pluralität basiert, der nicht in seiner Einzigartigkeit und Besonderheit, sondern als Teil einer Vielfalt von Orten wahrgenommen wird. Durch die Neuen Medien haben sich die Grenzen zwischen Intimität und Öffentlichkeit verschoben und so einen digitalen Flâneur und ein weltweites Dérive (Umherschweifen) entstehen lassen. Diese neuartigen Grenzziehungen lassen bislang unbekannte Lebensbereiche entstehen, die zwischen Individualität und Kollektivität changieren. ...

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