ARCH+ 193


Erschienen in ARCH+ 193,
Seite(n) 106-109

ARCH+ 193

Holz-Form-Findung

Von Hensel, Michael /  Menges, Achim

Der Werkstoff Holz unterscheidet sich von den meisten anderen Baumaterialien dadurch, dass es sich um ein pflanzliches Gewebe handelt. Aufgrund des natürlichen Wuchses des Baumes hat Holz eine differenzierte Zellstruktur, die ein anisotropes Materialverhalten mit sich bringt. Daraus könnte man eigentlich schließen, dass Holz – und wir sprechen hier nur von Vollholz – im Gegensatz zu isotropen Baustoffen wie Stahl oder Glas einer anderen Entwurfsmethodik bedarf. Betrachtet man jedoch die gängige Praxis, so zeigt sich schnell, dass der Entwurf von Holzkonstruktionen sich methodisch kaum von anderen Konstruktionsarten unterscheidet. Die in der Architektur vorherrschende Entwurfsmethodik ist die Formgebung, d.h. die freie gestalterische Entwicklung von Konstruktion und Raumorganisation. Sie wird getragen von Darstellungsformen, Zeichnungen oder Modellen, die sowohl die maßgebliche Notation im Entwurf als auch die wichtigste Instruktion für die Umsetzung beinhalten. Entwurfsmethodisch spielt es eine untergeordnete Rolle, ob diese Werkzeuge analoger oder digitaler Natur sind. Wichtig ist, dass sie die wesentliche Information des geplanten Bauwerks auf die Geometrie der Bauteile reduzieren. Dies macht es nur schwer möglich, das dem Material innewohnende Verhalten – vor allem, wenn es nicht isotrop ist – direkt in den Entwurfsprozess mit einzubeziehen...

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