ARCH+ 193

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Erschienen in ARCH+ 193,
Seite(n) 4-5

ARCH+ 193

Zeitung: ARCH+ im Darwinjahr

Von Trüby, Stephan /  Hensel, Michael

Diskussion um Heft 188

JUNK SCIENCE Eine Kritik der ARCH+ 188 Von der niederländischen Künstlerin Madelon Vriesendorp stammt eine “Theorie des Missverständnisses”, die im Wesentlichen eine Anekdote über Peter Eisenman ist. Immer wieder, so Vriesendorp, passiere Eisenman das Gleiche, wenn er zu Vorträgen berühmter Philosophen geht: Noch im ersten Drittel nicke der Architekt ein, schlafe alsbald fest und erwache erst wieder zum Finale. Munter geworden, verklebe er dann im Geiste das Vortragsende unter Auslassung des Mittelteils direkt mit dem Vortragsanfang – und brilliere am nächsten Arbeitstag als gebildeter Architekt. Eisenmans Tiefschlaf-Triumphe, empfiehlt Vriesendorp, sollten uns Vorbild sein. Denn Missverständnisse seien notwendig, um einen eigenen künstlerischen Weg zu finden. Nur die Verkennung, nicht das richtige Verstehen habe “mit einem Selbst”1 zu tun.  Dass Vriesendorp kürzlich realisierte, dass ihre Anekdote gar nicht stimmt – sie hatte offenkundig Eisenmans mutwillige Fehllektüre der Schriften Jacques Derridas, die ihr einmal von Charles Jencks übermittelt worden war, mit der eigenen Erinnerung an das Vortragsnickerchen einer angesehenen Physikprofessorin überlagert –, tut ihrer Theorie kein Abbruch. Denn gibt es einen besseren Beweis gelingender Selbstversicherung als die Verfertigung einer Theorie des Missverständnisses, die ihrerseits auf einem Missverständnis aufbaut?

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