ARCH+ 200

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Erschienen in ARCH+ 200,
Seite(n) 7

ARCH+ 200

Versuch einer Theorie der Praxis

Von Escher, Cornelia

Die Architektur ist, so Ben van Berkel, traditionell eine Disziplin „in der sich das Reflexive mit dem Konstruktiven“ mischt. Die Verbindung von Theorie und Praxis war daher das Anliegen eines Symposiums der Stiftung Städelschule für Baukunst am DAM in Frankfurt, dessen Ergebnisse jetzt in erweiterter und aktualisierter Form von Luise King zusammengestellt wurden.

Im Zentrum stehen dabei drei architektonische Werkgruppen, die exemplarisch diskutiert werden: der ‚kritische Funktionalismus‘ Kazuyo Sejimas (SANAA), die ‚After Images‘ des Teams Ben van Berkel/Caroline Bos und die Architekturen für die Alpen Gion A. Caminadas. Diese bewusst regional und konzeptionell disparaten Projekte werden nicht nur jeweils von den Praktikern selbst beschrieben, sondern sind mit einem theoretischen Begleittext versehen. Der Kernbereich wird gerahmt von Essays, die über die Verflechtung von Theorie und Praxis mehr theoretisieren als diese zu exemplifizieren. So möchte eingangs etwa Werner Oechslin die Architekturtheorie mit einer ganzen Sammlung von Zitaten aus ihren allzu luftigen, praxisfernen Gefilden vertreiben. Umgekehrt sieht Mark Jarzombek die Theoriebildung auf Seiten der Praxis in Gefahr und verweist auf die Notwendigkeit eines theoretischen Diskurses für eine nachhaltige Zukunftssicherung der Architektenausbildung.

Der Anspruch, eine „Theorie der Praxis“ zu begründen (Luise King) kann allein durch diesen Band nicht eingelöst werden. Aber die Konfrontation unterschiedlicher Stimmen und Interessen aus den Bereichen von Theorie und Praxis, wie hier versammelt, erscheint insgesamt ohnehin vielversprechender als eine zwanghafte nivellierende Annäherung.

Architektur & Theorie – Produktion und Reflexion, hrsg. Stiftung Städelschule für Baukunst, Luise King, Hamburg: Junius Verlag 2009, 24,90 Euro.  

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