ARCH+ 209

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Erschienen in ARCH+ 209,
Seite(n) 9

ARCH+ 209

Welt als Struktur. Zum Tod des Architekten Fritz Haller (1924-2012)

Von Vrachliotis, Georg

„Man müsste ein Möbel bauen wie man im Idealfall ein Haus bauen möchte, also ein Satz von Bauteilen, die man zusammenbauen, wieder zerlegen und in eine neue Struktur überführen kann.“ Nur wenige Architekten haben so stark an dieses Credo des industriellen Bauens geglaubt wie Fritz Haller. Auf der Suche nach einer technisch perfekten Geometrie des Gebrauchs wurde das Bild des Möbelsystems zu einer Chiffre für eine übergeordnete Strategie infrastruktureller Erschließung von Architektur. Fritz Haller gehörte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Architekten der Schweiz. Sein Œuvre umfasst ein beachtliches Spektrum ganz unterschiedlicher Bauten und Projekte: Schul-, Wohn- und Geschäftshäuser ebenso wie Industriehallen und Maschinenfabriken.

Unter dem Einfluss einer zunehmend durch Miniaturisierungsprozesse geprägten Welt bewegte sich Hallers architektonisches Denken an den Grenzen eines Fragenspektrums entlang, das von Experimenten mit Geometriemodellen zu Beginn der 1960er Jahre, den Entwürfen der Baukasten- und Installationssysteme MINI, MIDI und MAXI sowie des inzwischen weltweit bekannten USM Möbelsystems bis hin zur Planung von globalen Stadtmodellen und der Entwicklung von Software in den frühen 1980er Jahren reichte. Heute, fast 50 Jahre nachdem Fritz Haller und Paul Schärer das USM Möbelsystem entwickelten, erleben infrastrukturelle Fragestellungen wieder eine Hochkonjunktur. Es scheint fast, als habe man es in der Architektur erneut – oder sollte man besser meinen: noch immer – mit der Sehnsucht nach einer verborgenen Vernunft des Technischen zu tun. Fritz Haller verstarb am 15. Oktober 2012, wenige Tage vor seinem 88. Geburtstag.

Eine ausführliche kritische Würdigung Hallers erschien kürzlich in ARCH+ 205 Servicearchitekturen: Georg Vrachliotis, Der infrastrukturelle Raum. Fritz Hallers Architektursysteme, S. 44ff. Der Autor forscht derzeit zu Leben und Werk von Fritz Haller.  

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