ARCH+ 144/145


Erschienen in ARCH+ 144/145,
Seite(n) 53-57

ARCH+ 144/145

Glass House – vom Filmprojekt zum Film als Projekt

Von Albera, François

Weit weniger bekannt ist das Projekt Glass House, das auf den formalen und thematischen Möglichkeiten eines gläsernen Wolkenkratzers als Sujet basiert. Wenn auch nicht realisiert, weist dieses Filmprojekt gleichwohl einige Bezüge zur Generallinie auf. Im April 1926 ist Eisenstein mit Eduard Tissé, seinem Kameramann, im Auftrag von Goskino in Berlin, um Kontakte zur westlichen Filmindustrie aufzunehmen. Der kommerzielle Erfolg von Panzerkreuzer Potemkin hat soeben den deutschen Verleih bewogen, bei dem Komponisten Edmund Meisel eine Originalpartitur für Orchester zu bestellen. Die beiden Sowjetbürger besichtigen die UFA-Studios, treffen Murnau und Jannings, die gerade Faust drehen, und Fritz Lang, Rittau, Karl Freund und Thea von Harbou, die mit den Dreharbeiten zu Metropolis beschäftigt sind. In dieser Zeit – “im Hotel Hessler, Kantstraße", präzisiert er – hat Eisenstein die Idee zu einem satirischen Film über Amerika, ausgehend von den visuellen und darstellerischen Möglichkeiten, die ein gläserner Wolkenkratzer böte. Seine Aufzeichnungen zu diesem Film ziehen sich durch das ganze Jahr 1927 und 1928, parallel zur Arbeit an der Generallinie (1926-1929) und Oktober (1927/28) und den Vorarbeiten zum Kapital (1927/28). 1930 schlägt er den Hollywood-Studios (Paramount – mit der er schon in Europa einen Vertrag unterzeichnet hat –, MGM und Universal) zahlreiche Filme vor, darunter auch [The] Glass House. Von Charlie Chaplin ermuntert und sogar beneidet, erkundigt er sich bei einer Glasfabrik in Pittsburg nach den Poduktionsmöglichkeiten für die Dekors, spricht mit den Drehbuchautoren der Paramount – die jedoch ablehnen! …

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