ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 24-27

ARCH+ 221

Architekturphilosophie?, Theorie der

Von Grothaus, Christian J.

Vier jüngere Publikationen zum Thema:

Jörg H. Gleiter, Ludger Schwarte (Hrsg.): Architektur und Philosophie, Bielefeld: transcript., 2015

Christian Kremer: Architekturphilosophie. Eine Einführung in ein architekturphilosophisches Verständnis, Saarbrücken: VDM, 2011

Ludger Schwarte: Philosophie der Architektur, Würzburg: Fink, 2009

Branko Mitrovic: Philosophy for Architects, New York: Princeton Architectural Press, 2011

Architekten philosophieren gerne, wobei hier „Philo-Sophie“ wörtlich gemeint ist: die Liebe zur Weisheit, zum Denken. Wichtig dabei ist der Begriff der Liebe, denn Liebe bedeutet mehr als bloßes Interesse. Der Liebe ist wenig entgegenzusetzen. Man wird von ihr vereinnahmt, angesprochen, gezogen. Man wird geliebt und liebt selbst, man mag und wird gemocht. Martin Heidegger nimmt diese grundsätzliche Konstellation und erklärt an ihr den Unterschied zwischen Denken und Wissenschaft. 1951 formulierte er im Buch Was heißt denken? den sonderbar anmutenden Satz: „Das Bedenklichste ist, dass wir noch nicht denken […]“. Was mag das heißen und was soll es zu einer Theorie der Architekturphilosophie beitragen? Was ist überhaupt der Unterschied von Theorie und Philosophie?

Zunächst definiert Heidegger den Begriff „Interesse“. Er meine im eigentlichen Wortsinn „zwischen“ (inter) „den Sachen“ (esse). Ein Agieren in diesem Modus sei wenig fokussiert, denn interessant könne vieles sein und Gleichgültigkeit wie Langeweile seien stete Begleiter. Ein bloßes Interesse für die Philosophie zu haben, bedeutet also nicht, zu philosophieren. Man muss schon tiefer gehen und sich aus der konstruktivistischen Nabelschau lösen, wenn man Phänomene, Sachverhalte oder Konstellationen in Bezug auf die Architektur sprechfähig machen will: „Das Bedenklichste, das, was uns zu denken gibt, ist demnach keineswegs durch uns festgesetzt, nicht nur uns erst aufgestellt, nicht durch uns nur vor-gestellt.“ Hier legt Heidegger den Finger in die Wunde der Wissenschaftlichkeit. ...

 

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