ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 79

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Gelassenheit, Theorie der

Von Keiling, Tobias

Ideengeschichtlich wird Gelassenheit (zuerst mhd. gelâzenheit) maßgeblich im Werk des Dominikanermönchs, Theologen und Philosophen Meister Eckhart geprägt. Dabei bezeichnet Gelassenheit eine Haltung habituellen Willensverzichts, durch den sich eine mystische Gotteserfahrung einstellen kann: Auf den eigenen Willen zu verzichten erlaubt es, Gottes Wirken in der menschlichen Seele wahrzunehmen und als eigene Lebenswirklichkeit zu affirmieren.

Bereits bei Eckhart wird das „Lassen“ des (kreatürlichen) Eigenwillens, um den Zustand der „Gelassenheit“ zu erreichen, mit einer räumlichen Metapher als „Abgeschiedenheit“ erläutert: Diese besteht darin, dass der Mensch „frei werde von sich selbst und allen Dingen“. Dabei gibt es demnach zwar herausgehobene Orte wie den Kirchenraum oder die Klosterzelle, die einem Lassen des Eigenwillens besonders zuträglich sind. Aber die Erfahrung der Einheit mit dem allgegenwärtigen Schöpfergott, welche die mystische Gelassenheit auszeichnet, muss von Raum und Zeit letztlich wieder losgelöst und damit „ortlos“ sein: ... 

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