ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 17-19

ARCH+ 221

Architekturaffektionen, Theorie der

Von Ott, Michaela

Von Walter Benjamin stammt die bis heute vielleicht nicht genug ausgelotete Einsicht, dass sich Architektur unbewusst in die Körper der Nutzer und Bewohner einschreibt und deren Körpertechniken, deren psychophysische, das heißt körperlich-seelische Verfasstheit mitkodiert. Benjamin spricht davon, dass „die zerstreute Masse“, die sich in solche Gebäude wie Kinos begebe, nicht mehr durch Konzentration und Sammlung charakterisiert sei, sondern vielmehr beiläufig und unbewusst das filmische und architektonische „Kunstwerk in sich versenkt“. Bei den von ihm ins Visier genommenen Bauten „als Prototyp eines Kunstwerks, dessen Rezeption in der Zerstreuung und durch das Kollektivum erfolgt“, denkt er vermutlich vor allem an die Freizeit-Architekturen, da sie von allen modernen Bauwerken die Nutzer am eindeutigsten als Masse, als Kollektiv, adressieren.

Schließt man Benjamins Thesen zur Architektur mit seinem Verständnis von Film und dessen Wirkmacht kurz, so lässt sich erkennen, dass er in beiden Künsten durchaus politisch progressive Potentiale schlummern sieht, die sich im Modus der Zerstreuung aktualisieren. ...

 

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