ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 28-35

ARCH+ 228

Kontextuelle Narrative

Von Kröger, Thomas /  Ngo, Anh-Linh /  Kaldenhoff, Max /  Bengert, Florian

Anh-Linh Ngo: Deine Arbeit zeichnet sich durch etwas aus, was ich einer literaturtheoretischen Figur folgend als „unzuverlässiges Erzählen“ bezeichnen würde. Im Grunde genommen machst Du den Versuch, für Deine Projekte jeweils eine Erzählung zu finden, die zwar an einen Kontext gebunden ist, die aber zugleich mit vielen anderen Schichten und externen Referenzen angereichert wird. Diese Narration ist folglich nicht linear aufgebaut.

Thomas Kröger: Grundsätzlich sind meine Arbeiten sehr auf Kontexte bezogen, ergänzt durch eigene Erfahrungen oder Erinnerungen an konkrete Motive, die ich auf meinen Reisen für mich entdeckt habe. Erst durch diese Bezüge entfalten sich dann erweiterte erzählerische Zusammenhänge, die vom Ort ausgehen, sich jedoch nicht 1:1 aus ihm ergeben. Für mich ist das eine Möglichkeit, einfachen Gebäuden eine Besonderheit zu geben.

ALN: In dem Zusammenhang taucht auch der Begriff der Follies auf, also der „Verrücktheiten“, wie er historisch für exzentrische Bauwerke in englischen Landschaftsgärten verwendet wurde. An den Follies ist ja das Interessante, dass sie, als sie erfunden wurden, durch ihre ästhetische Autonomie einen Regelbruch in einem ansonsten sehr starren architektonischen System erlaubten. Was verbindest Du mit dieser Typologie und welche Freiheiten erlauben sie Dir in Deinem Werk?

TK: Follies sind in meiner Arbeit – ich würde bislang erst zwei so nennen – eigentlich die große Ausnahme. Sie benötigen immer ganz besondere Umstände wie eine spezielle Grundstückssituation, die geradezu danach schreit, dort etwas ganz Besonderes entstehen zu lassen. Der Trick dabei ist, dass Follies mit ihrer übertriebenen Geste die Landschaft so sehr dominieren, dass diese regelrecht beginnt, sich um das Gebaute zu drehen. Ich kann damit gewissermaßen die vorhandene Situation rekonfigurieren (Abb. 1).

ALN: …

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