ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 148-151

ARCH+ 228

Die Europäischen Kulturregionen: Einheit in Vielfalt

Von Guérot, Ulrike

Was sich gerade vor unseren Augen abspielt, ist die Auflösung der europäischen Gesellschaften, wie wir sie bisher kannten und damit auch die Auflösung des Europas der Gründerväter. Es ist das Ende des nationalstaatlichen Konzepts der „Vereinigten Staaten von Europa“. Aber jedem Ende wohnt auch ein Neuanfang inne! Stellen wir uns einmal vor, die nationalen Grenzen lösten sich in diesem Prozess ebenfalls auf. Die Bürger der europäischen Regionen und Städte bauten ein Europa ganz neuer Form: dezentral, regional, post-national, parlamentarisch, demokratisch, nachhaltig und sozial – ein Netzwerk aus europäischen Regionen und Städten, über die das schützende Dach einer Europäischen Republik gespannt wird, unter dem alle Bürger politisch gleichgestellt sind.

Utopisch? Vielleicht, aber bereits auf mittelalterlichen Karten wird Europa als organischer, weiblicher Körper dargestellt mit verschiedenen historischen Regionen. Darauf finden sich bereits die Kulturregionen Bayern, Brabant, Bretagne, Emilia-Romagna, Flandern, Katalonien, Schottland, Tirol oder Venetien.

Die Regionen sind das eigentliche Vehikel der europäischen Vielfalt. Sie bilden die kostbaren Differenzen der diversen Mundarten, der regionalen Küche, Bräuche und Gepflogenheiten ab. Die europäische Kultur ist historisch und lebensweltlich in der Region verankert, nicht in der Nation. Die vielfache Suche nach einer europäischen (Leit-)Kultur ist daher genauso wenig zielführend wie die Preisung scheinbarer nationaler Leitbilder.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!