ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 86-95

ARCH+ 231

Land als Projekt: Über die Konstruktion von Territorien

Von Topalović, Milica

Als 2014 chinesische Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge Position im Südchinesischen Meer bezogen, um die unbehelligte Umsetzung eines Infrastrukturprojekts sicherzustellen, standen  die Erdarbeiten, mittels derer die seichten  Gewässer und Korallenriffe der Spratly-Inseln aufgeschüttet wurden, plötzlich im Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit. Es war faszinierend, dass Fotografien einer in der Regel unbemerkt bleibenden Neulandgewinnung – von Baggerschiffen und Sandkähnen umgebene, ins Meer hineinwachsende Sandinseln –, derart großes Aufsehen erregten. Natürlich sind diese neuen, mitten im Südchinesischen Meer entstehenden Festlandsflecken keine reinen Infrastrukturmaßnahmen. Die neu errichteten Standorte für chinesische Stützpunkte, die das maritime Becken kontrollieren, stellen einen territorialen Übergriff dar. Sie „verletzten das Seerechtsübereinkommen  der Vereinigten Nationen“ und „richten ‚irreparablen‘ Schaden in der Meeresumwelt an“.

Abgesehen davon, dass er durch  die Störung der globalen geostrategischen Hierarchien einen internationalen Aufruhr hervorrief, kündet dieser Fall auch auf eine klare, ja spektakuläre Weise vom Wesen solcher Erdarbeiten. Das Beispiel ist geeignet, Infrastruktur und Landkonstruktion aus  der prosaischen Welt des Ingenieurwesens und schlammiger Baugruben herauszuheben. Es führt vor Augen, was Philosophen, die sich mit Land oder Territorium befassen, schon lange betont haben: Land (und Infrastruktur) sind nie neutral, rein technisch oder zweckmäßig, sondern immer strategisch, politisch und ökologisch.

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