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ARCH+ 231

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Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 130-131

ARCH+ 231

PRODUKTION und REPRODUKTION

Von

Karl Marx lieferte mit seiner Kritik der politischen Ökonomie eine profunde Theorie der kapitalistischen, industriellen Produktionsweise. Doch blendete er die reproduktive Arbeit aus – also alle Tätigkeiten im häuslichen Bereich wie Kindererziehung, Pflege, Kochen, Putzen und Haushaltsführung, die bis heute aus der ökonomischen Gleichung herausfallen und überwiegend zu Lasten von Frauen gehen. Diesen blinden Fleck deckt die feministische Theorie, namentlich der materielle Feminismus, auf und widmet sich dem häuslichen Bereich als genuin politischem Ort, an dem sich gesellschaftliche Konventionen und Geschlechterhierarchien in ihrem Wandel materialisieren. Der häusliche Bereich bildet daher einen Möglichkeitsraum für die Entwicklung neuer Formen von Gemeinschaft, die eine Überwindung des traditionellen Heims verfolgen. 

Doch die Marktstrukturen sind längst bis in die eigenen vier Wände vorgedrungen und haben die Architektur des Heims reorganisiert. Sie greifen in die Produktion von Subjektivität selbst ein, wie es Douglas Spencer im Interview beschreibt. Vor diesem Hintergrund rückt auch die konsequente Rationalisierung der Hausarbeit in der Moderne in ein anderes Licht. „Für die Produktion von Raum bedeutet dies nicht nur die Dominanz des Großkapitals“, wie Harald Trapp feststellt, sondern der individuelle, intime Raum unterliege selbst der kapitalistischen Akkumulationslogik: „Das Heim wird Kapital.“

In diese Kerbe schlägt auch der sogenannte Plattform-Kapitalismus der neuen digitalen Serviceindustrien, der die sozialen Begriffe des Wir und des Teilens bis auf den letzten Algorithmus kommerzialisiert. Inzwischen ordnen sich dieser Logik auch vermeintlich alternative Methoden des Eigentums wie Crowdfunding unter. Lassen sich die Instrumente des Plattform-Kapitalismus auch positiv wenden, wie es Trebor Scholz mit einem neuen Konzept, dem Plattform-Kooperativismus, vorschlägt?

Mit der Digitalisierung verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen sozialer und ökonomischer Sphäre, auch die räumliche Funktionstrennung von Arbeit, Wohnen und Freizeit, ein Grundprinzip der Moderne, werden fließend und überlappen sich. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen zeichnet das Architekturbüro Dogma gemeinsam mit der Realism Working Group mit ihrem Konzept der Communal Villa eine gemeinschaftliche Wohnform vor, die als positive Utopie die traditionellen Rahmenbedingungen der eigentumsrechtlichen und räumlichen Trennung von Produktion und Reproduktion in Frage stellt. Inwiefern bietet eine Neujustierung der Reproduktion Zugang zu neuen zirkulären Modellen der Ökonomie und schafft subversive Strukturen, die neue Lebens- und Arbeitsformen ermöglichen?

 

 

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