ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 148-153

ARCH+ 231

Bildessay: Female (Open) Space Invaders

Von González, Marisa

Jeden Sonntag strömen hunderte Frauen in Hongkongs Finanzdistrikt und besetzen die Freiräume in und zwischen den Bürokomplexen. Sie essen gemeinsam, spielen, halten improvisierte Flohmärkte ab und erobern friedlich das verwaiste Zentrum einer der weltweit wichtigsten Finanzmetropolen. Auffallend ist, dass kein einziger Mann unter ihnen weilt. Es handelt sich nahezu ausschließlich um philippinische Migrantinnen, die häufig ohne ihre Familien nach Hongkong gekommen sind, um eine Stelle als domestic helper im florierenden Dienstleistungssektor zu finden. Die spanische Künstlerin Marisa González erzählt in ihrer Videodokumentation Ellas, filipinas (2010–12) einige Einzelschicksale der geschätzt 300.000 Frauen. Die spontanen Treffen bringen eine grundlegende – gleichwohl meist unsichtbare – Eigenschaft der vorherrschenden kapitalistischen Arbeitsteilung zu Tage: die systematische Ausbeutung der in erster Linie weiblichen Arbeiterschaft durch das heutige ökonomische System zwecks der sozialen Reproduktion. 
Die feministischen Kämpfe der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass dies kein neues Phänomen ist. Lediglich das globale Ausmaß spiegelt eine neuere Entwicklung wider, wie die Autorin und Aktivistin Silvia Federici in ihrem Beitrag in dieser Ausgabe aufzeigt: „Auf Grundlage der Pauperisierung der Bevölkerungen des globalen Südens und der ehemals sozialistischen Länder ist eine neue internationale Arbeitsteilung entwickelt worden, innerhalb derer migrantische Frauen aus Osteuropa, Afrika, Lateinamerika und Asien einen beträchtlichen Teil der Reproduktion der metropolitanen Arbeiter_innenschaft übernehmen. […] Zwar begrüßen Regierungen die ‚Globalisierung der Pflegearbeit‘, da sie ihnen erlaubt, ihre Investitionen in die Reproduktion zu senken. […] Dennoch machen die in der bezahlten Hausarbeit zu verzeichnenden Arbeitsbedingungen diese Arbeit zum zeitgeschichtlichen Pendant der Plantagenarbeit.“ MG
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