ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 92-96

ARCH+ 232

Prinzessinnengarten & Die Laube

Von

Gemeinsam mit Freiwilligen, Nachbar*in-nen und Aktivist*innen hat die Initiative Nomadisch Grün seit 2009 eine öffentliche Brachfläche in Berlin-Kreuzberg in eine städtische Oase verwandelt. An diesem urbanen Ort werden lokal und ökologisch Lebensmittel angebaut und das Thema Nachhaltigkeit behandelt. Neben dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte ist der Prinzessinnengarten insbesondere auch ein Ort, an dem Fähigkeiten und Wissen geteilt sowie alternative sozio-ökologische Visionen für die Stadt diskutiert werden. Um dessen Reichweite als Ort des kollektiven Lernens zu erweitern, wurde 2015 im Prinzessinnengarten die Nachbarschaftsakademie gegründet. Die Akademie agiert als offene Plattform für selbstorganisiertes Lernen und gegenseitige Unterstützung bei der Erprobung von Praktiken des Gemeinschaffens. Deren architektonischer Ausdruck ist die Laube, ein Selbstbau ohne vorgegebenes Programm, in der die Workshops und die Versammlungen der Akademie sowie spontane Aktionen stattfinden.

Die Laube ist ein Gemeinschaftsprojekt, das wichtige praktische Fähigkeiten im Selbstbau vermittelt und zugleich sinnstiftende Erfahrungen der Gemeinschaftsbildung bietet. Architekturstudierende, Zimmereilehrlinge und Freiwillige konnten sich beim Bau gleichermaßen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten einbringen. Architektonisch kann man das Projekt als kompakte Selbstbauversion des nicht realisierten Fun Palace von Cedric Price lesen: ein Möglichkeitsraum, der die Nutzer*innen dazu einlädt, ihn entsprechend ihren Bedürfnissen nach und nach umzugestalten oder zu erweitern. Architektur ist hier kein fertiges Produkt, sondern ein Stimulus für einen offenen Prozess der Aneignung und des Engagements.

Doch die Laube macht auch auf die Herausforderungen aufmerksam, die mit der unklaren zeitlichen Disposition des Projektes sowie mit dem Balanceakt zusammenhängen, der notwendig wird, sobald basisdemokratische Initiativen erfolgreich sind. Denn einerseits bieten der Erfolg und die Sichtbarkeit informeller Projekte die Chance, deren Handlungsmacht zu erweitern. Andererseits bergen die wachsenden Erwartungen an eine Institutionalisierung auch die Gefahr, dass sie ihre emanzipatorische Kraft verlieren. Eine Herausforderung ist die Frage, wie der Prinzessinnengarten die Spontaneität, die von Anfang an wesentlich für den offenen und inklusiven Charakter des Projekts war, aufrechterhalten kann.

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