ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 88-91

ARCH+ 233

Von selbstlernenden Systemen und intelligenten Helfern

Von Hanspal, Amar /  Ngo, Anh-Linh

Amar Hanspal, zum Zeitpunkt des Interviews Co-CEO bei Autodesk, im Gespräch mit Anh-Linh Ngo

 

Anh-Linh Ngo: Als ich Ende der 1990er-Jahre mit dem Architekturstudium begann, war Autodesk gleichbedeutend mit AutoCAD, und AutoCAD synonym mit dem ersten Paradigma der Computerisierung des architektonischen Entwurfs, das heißt, der Übertragung des konven-tionellen architektonischen Handwerks ins Digitale. Im Jahr 2002, dem Jahr meines Abschlusses, übernahm Autodesk die Revit Technology Corporation, die im Jahr 2000 eine erste Version von Revit auf den Markt gebracht hatte, und reihte sich damit unter die Entwickler von BIM-Software ein, die für die nächste Stufe der Digitalisierung steht. In der kurzen Zeit meines Studiums erlebte ich somit einen Para-digmenwechsel hin zum Dreidimensionalen. Wie haben Sie diese Veränderung wahrgenommen?

Amar Hanspal: Bei der Entwicklung von AutoCAD, das 1982 auf den Markt kam, ging es Autodesk darum, den Zeichen- und Dokumentationsprozess zu automatisieren. Damit wurde jedoch lediglich der beinahe letzte Schritt im gesamten Entwurfsprozess digitalisiert, der kleinste gemeinsame Nenner der Kommunikation, vergleichbar mit Texten in der Büroautomation. Bei der Arbeit mit unseren Kund*innen standen wir immer wieder vor den gleichen Problemen. Eine dieser Schwierigkeiten war die Zu­sammenarbeit: Die Realisierung komplexer architektonischer Ideen erfordert eine enge, interdisziplinäre Kooperation. Zudem wurden aufgrund unvollständiger Infor­mationen viele Fehler erst auf der Baustelle entdeckt. Einige der hartnäckigsten Probleme der Baubranche waren in einem papierbasierten, zweidimensionalen Format nicht lösbar. In Revit sahen wir das Potential, die Probleme in der Zusammenarbeit zumindest teilweise zu lösen, indem wir die Branche auf einer gemeinsamen Plattform zusammenbrachten. Das Programm erschien uns auch deshalb attraktiv, weil sich ein Gebäude damit vollständiger beschreiben ließ. Wir hatten die Vorteile der drei­dimensionalen Modellierung bereits in der Fertigungsindustrie beobachtet. In der Autoindustrie und im Maschinenbau wird seit vielen Jahren mit 3D-Modellen gearbeitet. Alle nachgelagerten Prozesse profitieren von einer vollständigeren Beschreibung des erzeugten Gegen­stands. Das ist nicht auf die Dreidimensionalität beschränkt. Die Datenbank des Programms konnte über die Geometrie hinaus weitere Informationen enthalten, wie Angaben zu Mengen und Beziehungen zwischen Objekten, auch komplexe Beziehungen wie Bauordnungen. Als Softwareunternehmen sind wir gut darin, komplexe Technologien zu verein­fachen. So schafften wir es, die 3D-Modellierung für normale Anwender*innen zu öffnen und global zu verbreiten.

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