ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 118-123

ARCH+ 233

Das Modulare und das Digitale – Eine kurze Begriffsgeschichte

Von Russell, Andrew L.

Man könnte fast meinen, der heutzutage so angesagte Begriff „modular“ sei eine Schöpfung des digitalen Zeitalters. Denn Zusammenhänge zwischen dem Modularen und dem Digitalen finden sich allenthalben: bei Software und Hardware, bei Programmiersprachen und vielen Bereichen der Robotik. Weitet man jedoch den Blick, dann stößt man schnell auf Konzepte des Modularen außerhalb der digitalen Sphäre, insbesondere bei modularen Bauweisen und modularer Gestaltung. In der historischen Perspektive geht das modulare Denken in Architektur und im Bauen dem Digitalen voraus.

Allgemein formuliert ist ein System dann modular, wenn einzelne Bestandteile (Module) innerhalb einer übergeordneten System­architektur zusammenpassen. In einem solchen System können Gestalter und Benutzer die einzelnen Module gegeneinander austauschen. Ein Modul ist wie eine „Black Box“, die ihre Komplexität im Inneren verbirgt und nach außen hin lediglich eine einheitliche, standardisierte Nutzeroberfläche zur Schau stellt. Befürworter heben die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit modularer Systeme hervor. Kritiker dagegen beklagen ihre mangelnde Eleganz und die Neigung, Automatisierung und Segmentierung den Vorzug gegenüber einem harmonischen und zweckmäßigen Zusammenhalt zu geben.

Modulare Bauweisen kamen in den 1920er- und 1930er-Jahren auf, als sich die Bauindustrie weltweit und insbesondere in den USA am doppelten Leitbild von Rationalität und Standardisierung zu orientieren begann, welches bereits andere technische Entwicklungen angeregt hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das modulare Denken auch außerhalb der Architektur und des Bauens Anklang, als amerikanische Ingenieure nach neuen Produktionsprozessen für elektronische Bauteile suchten.

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