ARCH+ 234


Erschienen in ARCH+ 234,
Seite(n) 44-53

ARCH+ 234

Digitalisierung als Singularisierung: Der Aufstieg der Kulturmaschine

Von Reckwitz, Andreas

Von der industriellen Technik 
zur digitalen Technologie

Wie in einer Gesellschaft gehandelt und gefühlt, wie produziert, geherrscht, kommuniziert und imaginiert wird, ist entscheidend von den Formen der Technik und Technologie beeinflusst, über die sie verfügt. Natürlich determiniert die Technik soziale Strukturen nicht in einem strengen Sinne. Vielmehr sind die technischen Artefakte immer mit sozialen Praktiken verknüpft, welche sie sich auf eine spezifische Weise zu eigen machen. Artefakte und Artefaktsysteme – vom Rad bis zu Schrift und Buchdruck, vom einfachen Werkzeug bis zur industriellen Produktion, von der Biotechnologie bis zur Computersoftware – stellen materielle Angebotsstrukturen dar, die einen Spielraum vielfältiger, aber nicht beliebiger 
Verwendungsweisen bieten.

Zu Recht gilt die moderne Gesellschaft im historischen Vergleich als eine genuin „technische Kultur“. Es ist nicht verwunderlich, dass die Modernität der Moderne – ob im Zeitalter der Aufklärung, im bürgerlichen 19. Jahrhundert oder im Sozialismus – von den Zeitgenossen häufig sogar mit ihrer avancierten Technik gleichgesetzt worden ist. Diese durchgreifende Technisierung des Sozialen war einerseits in der Industrialisierung begründet, sie schloss jedoch darüber hinaus die technische Rationalität der Systeme zweckrationaler Handlungskoordination in der gesamten Gesellschaft ein. Seit den 1980er-Jahren wälzt sich nun die technische und technologische Struktur der Gesellschaft in einer derart grundsätzlichen Weise um, wie es seit der Industrialisierung nicht der Fall war. In ihrem Zentrum befindet sich ein Komplex, der sich aus dem Zusammenspiel algorithmischer Verfahren des Computing, der Digitalisierung medialer Formen und des Kommunikationsnetzwerks des Internets ergibt. Diese drei Komponenten zusammenfassend, kann man von den Technologien des digitalen Computer­netzes oder einfach des digitalen Netzes sprechen. Die Transformation von der industriellen Moderne zur Gesellschaft der Singularitäten ist nicht nur im ökonomischen Strukturwandel hin zu einer Ökonomie der Singularitäten begründet, sondern auch im Strukturwandel der technologischen Systeme hin zu Digitalisierung, Computerisierung und Vernetzung. Beide Prozesse haben ihre Eigendynamik, sind aber miteinander verknüpft.

Was ist nun jedoch das Neue und Andersartige der spät­modernen Schlüsseltechnologien?

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