ARCH+ 234


Erschienen in ARCH+ 234,
Seite(n) 168-183

ARCH+ 234

Eine Aktualisierung 
von The Stack

Von Bratton, Benjamin H.

In dieser Zeit nach dem Brexit-Votum und vor der Wahl Trumps schrieb ich, dass genau dort, wo sich eine gangbare Zukunft eröffnen sollte, sich etwas unerträglich Rückwärtsgewandtes einnistete. Eine psychotische Simulation mittelalterlicher geopolitischer Vorstellungen, die so schaurig leuchten wie die Haare eines durchgedrehten Clowns. Oder wie es Donald Trump formuliert hat: „Das Computerzeitalter hat dazu geführt, dass niemand mehr genau weiß, was eigentlich abgeht.“ Der Aufstieg eines ethno-nationalistischen und neo-traditionalistischen Populismus ist ein globales Phänomen mit globalen Ursachen. Allerorten wählen die Menschen nach den gleichen demografischen Mustern: urbane, hochgebildete, kosmopolitische Städter gegen ländliche, weniger gebildete, monokulturell gesinnte Nationalisten und/oder nationalistische Monokulturalisten. Und obwohl die Globalisierung Geografie und Souveränität entkoppelt hat – wenn auch nicht konsequent – versuchen wir weiterhin, diesem Phänomen mit unserem Rechtsverständnis des 18. Jahrhunderts beizukommen.

Auch wenn die gedankenlose Weltpolitik vieles, einschließlich der Zukunft, in Frage stellt, ändert dies nichts an den großen Problemen des gegenwärtigen Systems. Wir sollten sowohl jenen, die gegen die Realität anrennen als auch denjenigen, die einen blinden Futurismus huldigen, mit Skepsis begegnen. Einer der Hauptgründe dafür ist die im Design Thinking übliche Definition von Zukunft als Zeitraum von zehn bis fünfzig Jahren. Aber das Jahr 2050 ist nicht die Zukunft – wir gestalten es bereits heute, und zwar größtenteils ziemlich schlecht. Aber die Alternative dazu, die Gegenwartsfixierung in Gestalt des Präsentismus, ist auch nicht besser. Die forcierte Beschäftigung mit der realen Welt bringt sehr kurzsichtige Formen eines Utilitarismus der Beteiligten ohne weitere Abstraktion hervor. Dies ist vielleicht genau das Denken, das die Schwäche unserer Vorstellungen von Zukunft und Vergangenheit ausmacht.

Zeit für langfristige Überlegungen zur Verfügung zu haben, ist zunehmend ein Privileg.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!