ARCH+ 235


Erschienen in ARCH+ 235,
Seite(n) 196-199

ARCH+ 235

Frauenkirchen-Mania

Von Klein, Philipp

In dem Moment als Deutschland mit der Wiedervereinigung die letzte spürbare Sanktion in Folge des verlorenen Zweiten Weltkriegs abstreifen konnte, begann in Dresden eine Kampagne für den Wiederaufbau der Frauenkirche. Deutschland war wieder obenauf, und das sollte auch auf symbolischer Ebene unterstrichen werden. Die Frauenkirche, bekanntes und vor allem auch 45 Jahre nach Kriegsende sichtbares Zeichen für die Niederlage der Deutschen, sollte in den Vorkriegszustand versetzt werden. Eine Idee, die für sich selbst spricht: Vom Nationalsozialismus will man nichts wissen, die Erinnerung daran soll verdrängt werden. Herauskommt ein Lehrstück in Sachen „urbaner Vergangenheitsbewältigung“.

Die Frauenkirche wurde 1743 nach 17-jähriger Bauzeit eingeweiht, die planerische Grundlage bildeten Pläne von George Bähr. Sie gilt als bürgerlicher Bau, da vornehmlich Spenden aus dem Dresdner Bürgertum zur Finanzierung des Projektes beitrugen. Bei Hofe war man dem Projekt jedoch ebenso wenig abgeneigt und unterstützte es mit kräftigen Finanzspritzen und planerischem Know-how. Trotz einiger falscher Annahmen im Hinblick auf die Statik – die Seitenwände nahmen nicht wie erwartet das Gewicht der Kuppel auf – hielt der Sandsteinbau und dominierte für die nächsten 200 Jahre das Dresdner Stadtbild. Erst in der Folge der Angriffe britischer und amerikanischer Luftstreitkräfte am 13. und 14. Februar 1945 sollte sich das ändern: Am 15. Februar fiel das Gebäude aufgrund eines Brandes mit starker Hitzeentwicklung in sich zusammen. Die zuvor abgeworfenen Bomben hatten die Kirche beschädigt und das Feuer entfacht. Zurück blieben eine Ruine und ein beachtlicher Trümmerhaufen.

Interessant, aber wenig beachtet: Die Kirche trug zum Zeitpunkt des Einsturzes den Titel „Dom zu Dresden“, womit auf ein Kapitel verwiesen ist, das – der in Dresden üblichen Wahrnehmung folgend – nur wenig Beachtung findet: die Zeit der Kirche im Nationalsozialismus. Glaubt man den Darstellungen im 2006 erstausgestrahlten ZDF-Event-Movie Dresden, das sich mit Hilfe dokumentarischer Einstreuungen einen historisch-authentischen Anstrich gibt, war die Frauenkirche Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Der Pfarrer der Frauenkirche, im Film von Wolfgang Stumph dargestellt, wird als Antifaschist inszeniert, der einem abgestürzten britischen Piloten und seiner deutschen Geliebten die Flucht vor Wehrmachtsoldaten ermöglicht. Mit der Realität hat das nichts zu tun.

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