ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 72-77

ARCH+ 236

Nichts ist gratis – was kostet Öffentlichkeit?

Von Friedberg, Michaela

Zahlreiche Menschen sahen zu, als die Stadt New York 2013 einige ihrer letzten silbernen Münztelefone entfernen ließ. Diese einst allgegenwärtigen Metallkabinen haben seit ihrer Einführung im Jahr 1905 als Kulissen für Mafiafilme, als behelfsmäßige Arbeitsplätze und als temporäre Zufluchtsorte für Obdachlose ihren Dienst getan – womit sie zu veritablen Wahrzeichen des New Yorker Stadtbilds wurden. Doch mit der Einführung privater Dienstleister und des Mobilfunks nutzten immer weniger Menschen Münztelefone. Sie wurden zunehmend durch Vandalismus zerstört, von Kriminellen genutzt und von Obdachlosen dauerhaft belegt. Da sie der Stadt zunehmend finanziell zur Last fielen, schrieb sie eine Neugestaltung der veralteten Geräte aus.

Aus dem Bieterverfahren ging das Projekt LinkNYC als Sieger hervor. Es sah einen schlanken schwarzen „Turm“ mit großen digitalen Benutzeroberflächen vor, der dem Monolithen aus Stanley Kubricks 2001 – A Space Odyssey auf unheimliche Weise ähnlich sieht. Auf der Hauptseite – neben Kopfhörer- und USB-Eingängen – können sich Nutzer*innen auf einem Android-Tablet Zugang zu Google Maps, Touristeninformationen, Videotelefonie und Notrufhotlines verschaffen. Auf beiden Seiten der Medienstation befindet sich je ein 55-Zoll-Bildschirm, auf dem Werbeanzeigen und öffentliche Bekanntmachungen geschaltet werden.

In einer öffentlichen Veranstaltung bezeichnete Dan Doctoroff, heute CEO der Alphabet-Tochtergesellschaft Sidewalk Labs und damals Stellvertretender Bürgermeister für Wirtschaftsentwicklung in New York, die Integration neuer Technologien in den Lebensalltag als wichtige Aufgabe der Stadt.

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