ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 78-83

ARCH+ 236

Luxus und Paranoia, Zugang und Ausgrenzung: Über Kapital und den öffentlichen Raum

Von Kubrak, Anastasia /  Manse, Sander

Wir besteigen ein Uber-Taxi, die von GPS geführte Fahrt geht am Kreml vorbei. Am Ende ist die Rechnung dreimal so hoch wie üblich. Warum? Wir überprüfen die Route und das Navigationsgerät zeigt an, dass wir angeblich zu einem Flughafen außerhalb Moskaus gefahren sind. Unmöglich! Wir schauen genauer hin: In dem Moment, in dem wir uns dem Kreml nähern, springt die Standortbestimmung plötzlich nach Wnukowo. Wie ich später erfuhr, ist dieser Sprung dem Phänomen des Geofencing geschuldet. Rundum den Kreml gibt es eine unsichtbare Mauer: GPS-basierte Sensoren werden in die Irre geführt, um unerwünschte Überflüge mit Drohnen zu verhindern.

Neue Formen urbaner Zonierung

Das tägliche Leben in Städten wird zunehmend durch neue Technologien angereichert: Ausgestattet mit einer Vielzahl an Sensoren und Signalen von WLAN-Netzen, Bluetooth-Geräten und GPS-basierten Anwendungen können wir leichter durch die Stadt navigieren, zugleich können wir jedoch jederzeit geortet werden. Heute werden diese Technologien hauptsächlich von der Plattformwirtschaft eingesetzt und instrumentalisiert; so erhält sie immer mehr Einfluss auf die Funktionsweise der Städte. Primär geht es dabei um die Kapitalisierung der Informationen, die durch die Augmented City generiert werden.

Seit einigen Jahren legt sich ein ganzes Gewirr virtueller Grenzen über unsere Städte: private Luftstraßen, Flugverbots­zonen für Drohnen, Geofences. Im Gegensatz zur traditionellen Zonierung einer Stadt, bei der für bestimmte Gebiete bestimmte Nutzungen wie Wohnen und Gewerbe gesetzlich festgeschrieben werden, kann ein Ort heute mehreren virtuellen Zonen angehören und von verschiedenen Akteur*innen besetzt werden.

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