ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 126-135

ARCH+ 236

Songdo: Die „verhängnisvolle Hoffnung“ der Smart City

Von Halpern, Orit /  Günel, Gökçe

„Der Umgang mit dem Computer hat nichts mehr mit Rechnen und Berechnen zu tun – er ist ein Lebensstil geworden.“ 

Angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Energieknappheit, Sicherheit und wirtschaftlicher Instabilität haben In­fra­strukturen als Bereich der Wertschöpfung für Stadtplaner ­*innen, Investor*innen und Regierungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie hoffen, hier auf mögliche Lösungen für eine Welt zu stoßen, die von Katastrophen und Krisen geprägt ist. Debatten über einen „Katastrophenkapitalismus“ (der den Schockzustand nach großen Krisen und Katastrophen für die ungehinderte Durchsetzung einschneidender politischer und ökonomischer Reformen ausnutzt) oder über eine posthumane Welt gehen von der Annahme aus, dass die ökologische, ökonomische oder sicherheitstechnische Katastrophe bereits eingetreten ist oder unmittelbar eintreten wird. Diese Annahme wird kaum infrage gestellt.

Als Reaktion darauf ist ein neues Paradigma aufgekommen, das von „smarten“, „allgegenwärtigen“ und „resilienten“ Hightech-Infrastrukturen besessen ist. Smartness und Resilienz werden hier in einem sehr spezifischen Sinne auf computergestützte und digital gesteuerte Systeme bezogen – etwa Stromnetze und Gebäude­managementsysteme, die lernfähig sind und sich theoretisch durch eigene Datenanalysen selbstständig regulieren können. Ganz gleich, ob eine Bedrohung durch Terrorismus, Subprime-Hypotheken, Energieknappheit oder Wirbelstürme vorliegt, die Reaktion darauf lautet überraschenderweise immer: Wir müssen die Infrastruktur smarter und resilienter machen.

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