ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 6-13

ARCH+ 239

Fotoessay: Wahala

Von Hinsch, Robin

1914 erklärte die britische Kolonialregierung per Verordnung sämtliches Öl unter nigerianischem Boden zum Eigentum der britischen Krone. 1938 gewährte sie das Monopol für dessen Abbau dem staatlich geförderten Unternehmen Shell, das 1956 im Nigerdelta erstmals kommerziell erfolgreich nach Öl bohrte. Nach der Unabhängigkeit Nigerias kamen in den 1960er-Jahren weitere europäische und amerikanische Ölfifirmen hinzu. Heute ist die Erdöl- und Erdgasindustrie Nigerias wichtigster Wirtschaftssektor. Das Land ist der größte Erdölproduzent Afrikas und der zehntgrößte der Welt. Nach Russland, Norwegen und dem Irak ist Nigeria der viertgrößte Erdöllieferant an die EU. Das Ölvorkommen des Landes konzentriert sich auf das Nigerdelta, wo die Fotoserie Wahala von Robin Hinsch im Juli und August 2019 entstand. Der Abbau erfolgt mittels eines Systems von über 600 Ölfeldern, rund 5.000 Bohrlöchern und 7.000 Kilometer Öl- und Gaspipelines. Doch große Teile der Infrastruktur und Anlagen sind veraltet und marode, sie werden von den Ölfifirmen kaum gewartet und nach der Stilllegung oft einfach sich selbst überlassen. Seit Beginn der Ölbohrungen 1956 kam es zu zehntausenden Ölunfällen.

Insgesamt sind dabei mehr als zwei Milliarden Liter Öl ausgeflflossen. Trotz eines seit Jahrzehnten bestehenden Verbots werden zudem die Begleitgase, die bei der Ölförderung anfallen, weiterhin einfach abgefackelt. Dabei werden große Mengen an CO2 sowie toxische Gase und krebserregende Giftstoffe freigesetzt.

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