ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 210-219

ARCH+ 239

Migration, Kontrolle und Choreomacht

Von Egert, Gerko

Als am 2. Dezember 2013 das Europäische Grenzüberwachungssystem Eurosur unter der Leitung von Frontex seine Arbeit aufnahm, war das Ziel klar: Migration zu erkennen und zu verhindern, bevor beispielsweise die Boote in See stechen. Als eine zentrale Stelle, die Daten erfassen und analysieren sollte, wurde Eurosur zur zukunftsweisenden Abteilung des Europäischen Grenzschutzes. Dabei war diese Politik keineswegs neu, sondern baute auf den Strategien zur Bewegungskontrolle innerhalb des umfassenden Grenz- und Migrationsregimes auf, das bereits den gesamten Schengen- Raum durchzog. Zugleich bot die neue Ausrichtung Möglichkeiten, die Überwachung der Migration auszuweiten.

Mit Eurosur beschränkt sich das von der EU eingesetzte „Management der Migration“ nicht mehr auf Grenzkontrollen, sondern zielt auf die Zirkulationsbewegungen der Migration selbst.02 Ein weit verzweigtes Netzwerk von Überwachungstechnologien schafft ein permanent aktuelles „Situationsbewusstsein“ von bestehenden und möglichen Fluchtbewegungen, dessen multidimensionale Daten- und Bewegungsanalysen die rein territorial und geopolitisch organisierten Grenzsicherungstechniken ablösen.03 Eurosur verarbeitet und verteilt Überwachungsdaten an die zahlreichen Akteur *innen des Migrationsmanagements und evoziert so Maßnahmen wie Polizeieinsätze, die in so unterschiedlichen Ländern wie Tunesien, Libyen, Senegal, Mali, Italien oder Deutschland stattfinden können. Dafür arbeitet das Regime der Migrationskontrolle mit zahlreichen Partnerstaaten innerhalb und außerhalb des Schengen-Raums zusammen. Fluchtbewegungen werden auf ihren komplexen Wegen überwacht, reguliert, registriert und (um-) gelenkt.

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