ARCH+ 173

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Erschienen in ARCH+ 173,
Seite(n) 4-5

ARCH+ 173

Kritik: Wollt Ihr die totale Architektur?

Von Kühn, Christian

Der Begriff des Populismus stammt aus dem Bereich der Politik. Populist ist, wer die Ängste und Sehnsüchte des Volkes für seine Interessen zu instrumentalisieren versteht. In differenzierten Gesellschaften, in denen es “das Volk” längst nicht mehr gibt, wendet er sich in der Regel an dessen benachteiligte Schichten. Der Populist verstärkt deren Krisen- und Bedrohungsgefühle, vermittelt ihnen aber im selben Moment Zusammenhalt und Hoffnung. Er spricht dabei nicht die Vernunft, sondern das Gefühl an und vereinfacht komplexe Probleme so lange, bis sich einfache Lösungen geradezu aufdrängen. Daß der Begriff im Deutschen deutlich negativ konnotiert und beinahe synonym mit dem Begriff der Demagogie, also der “Volksverhetzung”, verwendet wird, ist historisch bedingt. In den meisten anderen Sprachräumen gilt Populismus als eine zwar zweifelhafte – weil überaus vereinfachende – politische Taktik, die aber nicht zwangsläufig moralisch verwerfliche Ziele verfolgen muß. Legitimiert wird die Vereinfachung damit, daß der Populist sich eben nicht an die Vernunft der Eliten, sondern an die politischen Instinkte der ungebildeten Volksmassen wenden müsse.

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