ARCH+ 173

Download-Preis: 0,60 € In den Warenkorb


Erschienen in ARCH+ 173,
Seite(n) 60-61

ARCH+ 173

Vom Schrumpfen des Politischen

Von Sewing, Werner

Spätestens seit der Dokumenta X im Jahre 1997 gibt es in der Kunst eine neuerliche Hinwendung zur Realität, zur Gesellschaft. An die Stelle des schönen Scheins, der Buntheit von Postmoderne und Lifestyle tritt die fast schon pathetisch nüchterne Diagnose und Analyse der Wirklichkeit. Die Soziologie, die Ökonomie wurden von der Kunst links überholt. Dieser Gestus des Protokollierens wird in der Architektur seit OMA als Research, als Diagramm, als Datascape kultiviert. Der Dirty Realism der späten 1980er Jahre war bereits ein Vorbote dieser Entwicklung. Dennoch ist der Unterschied zwischen den neueren Tendenzen in der Kunst und der Architekturdiskussion der 1990er Jahren evident. Hinter der Sozialreportagenkulisse der Kunst ist die Wiederkehr einer vielleicht nicht theoretisch profilierten, dennoch aber eindeutig linken Sozialkritik erkennbar. Nicht zufällig bediente ein Altmeister der italienischen Linken, Antonio Negri, den damit entstandenen Theoriebedarf mit der handlichen Formel vom Empire gegen Multitude, von Star Wars gegen die vielen Asterixe. Der Globalisierungskritik folgte eine Politisierung, zu der sich trotz aller Versuche, etwa von Giorgio Agamben, aber bis heute eine realitätstaugliche politische Theorie nicht so recht einstellen will.
SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!