ARCH+ 172

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Erschienen in ARCH+ 172,
Seite(n) 4-5

ARCH+ 172

Kritik: ACHTUNG Pop!

Von Schnell, Angelika

Halleluja! – Es tut sich was in der Architektur! – Architektur wird Pop! – Und alle Architekten werden reich und berühmt, und alle Architekturzeitschriftenmacher zu Haifischen der Medienbranche!? Zumindest das, was ausschaut wie das neueste archplus-Heft, tatsächlich aber die auffällig belanglos-bunte Eigenwerbung des Stuttgarter IGMA (Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen) ist, die Nummer 171 und den nach wenigstens drei “Kunstforum”-Ausgaben der letzten zehn Jahre riechenden Untertitel “Pop, Ökonomie, Aufmerksamkeit” trägt, scheint eine Art Krisenratgeber für Architekten zu sein, denen nur noch das Erlernen der performativen Propaganda der Popkultur die Rettung bringt: “Architekten, ihr Anfänger!” Lest, was Euch gefällt! Baut, was Euch ins Hirn scheißt! (Äh, ... sorry: schießt!) Seid campy, seid clumsy, seid pop! WOW! Pop schaut Euch aufs Maul und ist selbst so wunderbar männlich-elitär-ordinär. Im Befehlston – Stakkato – mit Ausrufezeichen – kurz angebunden – zuweilen lallend – aber immer von oben herab – keinen Widerspruch duldend – exklusiv – kommt sie schließlich bereits seit den sechziger Jahren daher: die Camp-Sprache des Pop, die Freiheit ohne Sozialismus, die den fröhlich-virilen Habitus einer offenen factory zelebriert, gleichwohl auf den Eignungstest nicht verzichten kann und deshalb ihre Armee kleiner Kerlchen in jedes Mikrophon brüllen läßt: LIVE FAST! DIE YOUNG! FREE YOURSELF! COME TOGETHER! BE COOL! BE WILD! BE FAMOUS! HEY JOE! NO MERCY! JUMP! MOTHERFUCKER! HAVE FUN! GIVE THE PEOPLE WHAT THEY WANT! GET DOWN! GET UP! KEEP FIGHTING! BE A WINNER! FEEL IT! JUST DO IT! CHANGE YOUR MIND! MOVE YOUR ASS! MOOOOVE!!!...

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