ARCH+ 166


Erschienen in ARCH+ 166,
Seite(n) 34-37

ARCH+ 166

Halle an der Saale

Von Letzel, Nadja /  Freivogel, Gábor

Wenn man hier aus dem Fenster schaut, könnte man guter Dinge sein. Wir sitzen direkt im Zentrum von Halle, sehen mühelos über die Dächer der alten Stadt hinweg. Direkt unter uns: Der unheimlich große, abgeschlurfte Marktplatz. Straßenbahnen kämpfen sich um die Kurven der Altstadt, Kräne drehen sich über der Kaufhof-Baustelle (KSG Köln). Sogar gebaut wird hier mitten im Zentrum. Schaut man genauer hin, schieben sich die angebröckelten Blocks der Neustadt ins Blickfeld. Erste Zeichen einer nicht allzu heilen Welt. Aber dafür liebt man sie, diese nicht fein gemachte Stadt. Die Unebenheiten sind okay und wären ein enormes Arbeitsfeld. Das ist Kult. Das haben wir gedacht, als wir die Stadt von außen anschauten. Der imposante Blick von oben täuscht jedoch über das kleine Karo der Straße hinweg. Dort ist der “Markt" für uns oder sollte er sein. Aber diese Stadt als unser Arbeitsfeld – scheinbar so nahe liegend – ist unerreichbar. Zu 90 % jedenfalls. Die Stadt ist lohnend genug, um ein wenig zu bleiben. Aber sie ist schwergängig, wie eben die Straßenbahn in der Kurve am Roten Turm. Zu schwer für länger? Architektur ist eine Droge. Wir gehören zu den Süchtigen und haben es schwer, uns in anderen Berufen zu sehen. In anderen Städten, anderen Ländern schon. Aber weg von der Architektur? Stellen wir uns selbst ein paar Fragen: Woran wir (immer noch) glauben und welches Maß an Zynismus sich eingeschlichen hat. Wohin wir meinen, daß die Reise geht in Sachen Architektur. Wo sie auf der Strecke bleibt. Wer sich interessiert für die architektonische Entwicklung einer Stadt. Halle ist eine Schwellenstadt in jeder Beziehung. …

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