ARCH+ 131

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Erschienen in ARCH+ 131,
Seite(n) 72-73

ARCH+ 131

Schlecht gepresst

Von Diller, Elizabeth /  Scofidio, Ricardo

Ein Mindestmaß an Anstrengung wird darauf verwendet, das Hemd durch ein Mindestmaß ebener Flächen in eine zweidimensionale repetitive Einheit umzuformen, die ein Mindestmaß an Raum benötigt. Dieses Hemd wird ein Mindestmaß an Falten aufweise, wenn man es trägt, vor allem in dem exponierten Bereich zwischen den Aufschlägen des Jacketts. Die Standardmethode, ein Männerhemd zu bügeln, bringt das Hemd gewohnheitsmäßig in eine flache, rechteckige Form, die gerade in rechtwinklige Speichersysteme paßt - an der Stätte seiner Herstellung wird das fabrikgebügelte Hemd in rechteckige Kartons gestapelt und verpackt, die als kubische Volumen auf Lastwagen verladen und in Einzelhandelsgeschäfte befördert werden, wo die rechteckige Form des Hemdes in rechtwinkligen Schaukästen hervorgehoben und dann, nach seinem Erwerb, zuhause in Schrankfächern oder Kommodenschubladen und schließlich, wenn man verreist, in Koffern bewahrt wird. In jedem Stadium ist das Hemd dazu angehalten, sich nach einem unausgesprochenen sozialen Kontrakt zu richten.

Beim Tragen wird das Residuum der rechtwinkligen Logik der Effizienz auf der Körperoberfläche registriert. Die parallelen Falten und scharfen quadratischen Ecken eines sauber gebügelten Hemdes sind zu begehrten Emblemen der Kultiviertheit geworden. Aus dem Abfallprodukt der Effizienz ist ein neues Objekt ihrer Begierde geworden.

Was aber, wenn die Tätigkeit des Bügelns sich ganz und gar von der Ästhetik der Effizienz befreien würde? Vielleicht könnten die Auswirkungen des Bügelns den postindustriellen Körper angemessener repräsentieren, indem sie das Bild des Funktionalen gegen das des Disfunktionalen eintauschen

Die Falte ist eine nützliche Metapher für den poststrukturalistischen Architekturdiskurs, weil sie Ambivalenzen, wie etwa Oberfläche und Struktur, Figur und Organisation verstärkt. Außerdem impliziert die Falte Umkehrbarkeit - wenn etwas gefaltet werden kann, kann es auch entfaltet werden und neu gefaltet werden.

Der Knick ist eine zwingendere Metapher, weil er einen gewissen Widerstand gegen Transformation aufweist. Der Knick hat ein länger zurückreichendes Gedächnis als die Falte, und er hat als Einschreibung repräsentativen Wert. Der Knick ist schwerer zu entfernen. Seine Spuren bestimmen ihre fortwährende Bekräftigung - bis eine neue Ordnung eingeschrieben ist, mit der Illusion von Permanenz. …

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