ARCH+ 166


Erschienen in ARCH+ 166,
Seite(n) 74-81

ARCH+ 166

Stuttgart

Von Pietzcker, Achim /  Schwertfeger, Hannes

“Let´s putz Stuttgart” – mit diesem Kampfschrei auf den Lippen ging 1998 die Stadt vors Haus, um unter dem Gespött der Nation die Kehrwoche zu machen. Nachdem die Stadtverwaltung so im Rest der Republik wieder einmal das Klischee des fleißigen, aber humorlosen Schwaben verbreitet hatten, wurde im Jahre 2001 das biedere Bild der Stadt noch einmal durch eine Studie des Allensbacher Instituts für Meinungsforschung bestätigt. Das Problembewußtsein der Stadtväter hätte also ausreichend sensibilisiert sein können, um sich bei der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 im Frühjahr dieses Jahres nicht mit einem Film lächerlich zu machen, bei dessen Vorführung es einem Augenzeugen “kalt den Rücken herunterlief".1 Und während man in Stuttgart dann ratlos den letzten Platz unter den fünf Kandidaten zu erklären versuchte, goß Harald Schmidt noch genüßlich Häme über die Stadt aus: “Aber vielleicht kann man ja Stuttgart noch irgendwie mit reinnehmen. Als olympisches Dorf zum Beispiel – dafür hat es alle Voraussetzungen."2 Man leidet am eigenen, selbst aufgebauten Image – angesichts von Städten, die in zwanzig Jahren vielleicht tatsächlich zu einem Dorf zusammengeschrumpft sind, hat man in Stuttgart vergleichsweise luxuriöse Probleme. Aber es wäre falsch, das kulturelle Klima der Stadt anhand von mißglückten Imagekampagnen beschreiben zu wollen. Abgesehen davon, daß sich das Kehrwochenprogramm mittlerweile in Düsseldorf und wohl auch Hamburg durchgesetzt hat, haben die Schwaben mit der Kampagne “Wir können alles, außer Hochdeutsch" Humor an den Tag gelegt. …

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