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ARCH+ 231: The Property Issue – Von der Bodenfrage und neuen Gemeingütern

Die Frage „Wem gehört der Boden?“ ist für alle Gesellschaften zentral, weil die Ressource Raum genauso lebensnotwendig ist wie Luft und Wasser. Und doch wird die Bodenfrage von Architektinnen und Architekten selten explizit behandelt. Liegt es daran, wie Florian Hertweck provokant betont, dass sie „in erster Linie eine Illusion des Politischen produzieren, nicht zuletzt, weil sie ihre Projekte realisiert sehen möchten“?

Was tun? Wenig, weil es keine andere Alternative gibt als den Boden zu politisieren. Viel, weil bisher noch jeder daran gescheitert ist.

Den Boden zu politisieren heißt zunächst, eine politische Ökonomie der Stadt zu entwickeln und aufzuzeigen, dass der Ist-Zustand bezüglich Eigentum und Zugang, wie das erste Kapitel heißt, alles andere als ‚natürlich‘ ist. Diesen Umstand verdeutlicht der Grundlagenbeitrag „Die Grundrente der Kunst und der Ausschluss aus der Stadt“ des Philosophen Wolfgang Scheppe, der anhand des Beispiels von Venedig die aktuelle Stadtentwicklung aus einer umfassenden historischen Perspektive beschreibt.

Ein anderer Bereich, dessen Ordnung seit jeher ebenfalls als naturgegeben dargestellt wurde, ist die häusliche Sphäre. Bis heute fällt die Reproduktionsarbeit – also all jene Tätigkeiten wie beispielsweise Kindererziehung, Pflege, Kochen oder Putzen, die noch immer überwiegend zu Lasten von Frauen gehen – aus der ökonomischen Gleichung. Diesen blinden Fleck deckt das zweite Kapitel zu den Themen Produktion und Reproduktion mithilfe der feministischen Theorie auf. Dolores Hayden und Silvia Federici widmen sich dem häuslichen Bereich als genuin politischem Ort. Schließlich kann man die Bodenfrage nicht diskutieren, ohne die Wohnungsfrage zu berühren. Beide sind auf das Engste miteinander verwoben.

Im Zentrum steht die Ermächtigung der Menschen, die in neuen Solidaritätsnetzwerken die Durchsetzung bestehender Rechte einfordern und zugleich neue Grundrechte aushandeln. Das dritte Kapitel nimmt daher die Begriffe Recht und Solidarität in den Blick. Neben Autorinnen wie Raquel Rolnik und Naomi Klein, die die Bodenfrage aus kolonialer Perspektive betrachten, fordert darin Joseph Nevins ein Recht auf Welt ein.

Diese Ausgabe will dazu beitragen, die Vorstellungsorientierung hinsichtlich des Grundes der Stadt zu verändern und eine Reform der Bodenpolitik anzuregen, die die bodenpolitische Handlungsfähigkeit der Kommunen wiederherstellt. Die Vielzahl an Beiträgen zur Politik und Wirtschaft zeigen die vorherrschenden Konfliktlinien, aber auch mögliche Potentiale einer Neudefinition, die als Fernziel den Boden, und damit die Stadt als Gemeingut formuliert.

Auf lange Sicht müssen Prinzipien der Gemeinwirtschaft zur Grundlage der städtischen Ökonomie werden. Wie die Praxis der Commons, auch commoning oder Gemeinschaffen genannt, aussehen kann, untersuchen wir in der Ausgabe ARCH+ 232 im Rahmen des Projekts An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens gemeinsam mit dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

 

Inhaltsverzeichnis

Editorial

1-4

Kostenloser Download

Editorial

Thema

8-13

Bildessay: Prospect

14-31

Die Grundrente der Kunst und der Ausschluss aus der Stadt – Das Exemplarische an Venedigs Singularität

32-39

Kapital Heim

40-41

Kostenloser Download

EIGENTUM und ZUGANG

42-45

Glossar Bodenpolitik

46-53

Hans-Jochen Vogels Projekt eines neuen Eigentumsrechts des städtischen Bodens – Ein Protokoll in 20 Punkten

54-59

Eigentum verpflichtet!

60-63

Für eine neue Bodenordnung

64-69

Der Wert von Grund und Boden: Wie Community Land Trusts das Wohnen erschwinglich halten

70-77

Eigentum ist ein Verb: Über ‚gesellschaftliches Eigentum‘ im ehemaligen Jugoslawien

78-83

In Grund und Boden: Wie die Finanzialisierung von Bodenmärkten und Flächennutzung Städte unter Druck setzt

84-85

Fallstudie Großherzogtum Luxemburg

86-95

Land als Projekt: Über die Konstruktion von Territorien

96-101

Land der freien Kräfte

102-107

Kostenloser Download

Verteidigung der Demokratie – Gegen eine anarchokapitalistische Architektur

108-109

Das Kind mit dem Bade ausschütten? Patrik Schumachers Aussagen auf dem Prüfstand

110-114

Öffentlichkeit ist eine große Quelle der Freiheit

115-117

Tour Raspail

118-120

Cité Spinoza

121-123

Marat

124-128

Le Liégat

130-131

Kostenloser Download

PRODUKTION und REPRODUKTION

132-141

Eine revolutionäre Neuordnung der Hausarbeit

142-147

Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution

148-153

Bildessay: Female (Open) Space Invaders

154-173

Produktion, Reproduktion, Kooperation: Die Villa von der ‚negativen Utopie‘ zum Gemeinschaftshaus

174-179

„Die Architektur des Neoliberalismus verleugnet die Arbeit“

180-185

Plattformkooperativismus: Wie wir uns die Sharing Economy zurückholen können

186-189

Crowdfinanzierte Stadtentwicklung – Städtische Wunschbilder als Vehikel neuer Finanzmärkte

190-191

Kostenloser Download

RECHT und SOLIDARITÄT

192-199

Das Recht auf Welt

200-207

Die (scheinbare) Auflösung des Territoriums

208-215

Ihr und welche Armee? Die Rechte indigener Völker und die Macht gehaltener Versprechen

216-217

Eigentum ohne Verpflichtung

218-223

Kostenloser Download

Land Grabbing in Rumänien

224-225

Bildessay

226-229

ARCH+ uncovered: Wem gehört der Boden? Die Geschichte der Bodenreform in Schlaglichtern

Features

231-246

ARCH+ features: The Architecture of the Common Ground – Eine Architekturgeschichte der Bodenfrage

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