ARCH+ 206/207

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Erschienen in ARCH+ 206/207,
Seite(n) 7

ARCH+ 206/207

HygroScope. Meteorosensitive Morphology

Von Menges, Achim

Das Projekt HygroScope – Meteorosensitive Morphology im Centre Pompidou in Paris erschließt den Zugang zu einem neuen Ansatz sich selbst regulierende, “wetterfühliger” architektonischer Systeme. Entstanden an der Schnittstelle von Architektur, Ingenieurwissenschaften, Kunst und Biomimetik besteht die Installation aus einem denkbar einfachen System: Auf der Wirkungsweise biologischer Systeme beruhend, reagiert die Struktur auf Klimaveränderungen durch selbsttätige Formveränderungen des Materials. Im Gegensatz zu dem herrschenden Ansatz, Klimaadaptivität durch HighTech-Ausstattung zu erreichen, nutzt dieses No-Tech-System die hygroskopischen Eigenschaften von Holz, einem der ältesten Baustoffe überhaupt. In Wechselwirkung mit Schwankungen der relativen Luftfeuchte verändert sich der Feuchtegehalt von Holz stetig, was aufgrund seiner Zellanatomie zu Längenveränderungen führt. Die Übersetzung dieser Längenänderungen in Formveränderungen der Struktur wird durch die Integration der Funktionen von Sensor, Motor und Regelklappe in einem einfachen Furnierverbundelement ermöglicht, dessen Verhalten im Fertigungsprozess physisch programmiert werden kann.

So wird es möglich, dass sich die Struktur in Wechselwirkung mit der sie umgebenden Luftfeuchte selbsttätig öffnet und schließt. Im strikt kontrollierten Raumklima des Centre Pompidou stelltdie raumgroße Glasvitrine, die die Installation umgibt, einen Bezug zum Aussenklima her, indem in ihrem Inneren die Luftfeuchtewechsel von Paris simuliert werden. Die Struktur lässt diese uns allzeit umgebenden Klimaschwankungen durch die stetige Bewegung sichtbar und erfassbar werden. Diese Anpassungen an sich verändernde Umweltbedingungen kommen ohne jegliche Mechanik, Elektronik oder zusätzliche Energie aus. Das Material selbst ist die Maschine.

Das Projekt wird im Centre Pompidou in Paris von Mai bis August 2012 anlässlich der Ausstellung Multiversités Créatives erstmalig gezeigt. Danach geht die Installation in die ständige Sammlung des Centre Pompidou.

 

Projekt-Team:

Achim Menges Architekt, Frankfurt

Entwurf/Planung: Achim Menges, Steffen Reichert, Boyan Mihaylov Institut für Computerbasiertes Entwerfen, Universität Stuttgart

Wissenschaftliche Entwicklung/robotische Fertigung/Herstellung: Achim Menges, Steffen Reichert, Nicola Burggraf, Tobias Schwinn mit Claudio Calandri, Nicola Haberbosch, Oliver Krieg, Marielle Neuser, Viktoriya Nikolova, Paul Schmidt

Klimatechnik: Transsolar Energietechnik, Stuttgart, Thomas Auer, Daniel Pianka

Projekt-Förderer:

Centre Pompidou Paris, Glasbau Hahn GmbH, Rubner Holding AG, Kompetenznetz Biomimetik, Steelcase Werndl AG

 

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