ARCH+ 206/207


Erschienen in ARCH+ 206/207,
Seite(n) 12-16

ARCH+ 206/207

Wege des Empirischen

Von Kraft, Sabine /  Krausse, Joachim

Joachim Krausse im Gespräch mit Sabine Kraft

1. Empirie und Wirklichkeit

ARCH+: Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion, gewiss muss das Leben beobachtet werden, damit sie entstehe. Siegfried Kracauer Kraft: Was ist eigentlich Empirie? Laut Lexikon “auf Erfahrung beruhende Erkenntnis, Erfahrungswissen”. Man sollte meinen, damit sei diese Frage eigentlich überflüssig, aber das ist nicht der Fall. Die lexikalische Definition hilft vielleicht, um empirisches Wissen gegenüber einem spekulativen, auf Axiomen beruhenden Wissen abzugrenzen, aber sie besagt nichts darüber, wie wir Erfahrungen machen, auf welche Weise wir sie erfassen und verzeichnen. Wie verhält sich Empirie zur Wirklichkeit? Gibt es überhaupt ein klar definiertes und eindeutiges Verhältnis in Anbetracht der Bandbreite empirischer Methoden vom Erfassen bis zum Aufzeichnen, von Bestandsaufnahmen, Beobachtungen und Befragungen bis zum Auswerten des Erfahrenen, von Quantifizieren, Kartografieren bis zu dem unermesslichen Reichtum verbaler und visueller Ausdrucksformen?

Krausse: Ich möchte Deine Frage nach dem Verhältnis von Empirie und Wirklichkeit noch zuspitzen. Dazu ein kurzer Exkurs: Im Wien der Zwischenkriegszeit entsteht durch die empirischen Forschungen von Charlotte Bühler ein neues Gebiet, das später Entwicklungspsychologie heißt, der Begriff ist uns ja vertraut durch Jean Piaget und seine ebenfalls empirischen Untersuchungen über den Aufbau der Wirklichkeit beim Kind. ...

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