ARCH+ 208


Erschienen in ARCH+ 208,
Seite(n) 76-79

ARCH+ 208

Tangling. Plädoyer für eine neue Architektur der Verflechtung

Von Hirata, Akihisa

Aus dem Fenster eines Flugzeugs blickte ich über die Alpen. Ich sah eine Wolke, die sich in der Falte eines Berges verfangen hatte. Das starke Sonnenlicht, das durch sie hindurchschien, schuf eine ausgedehnte Welt schöner Schatten. Diese für einen Moment existente Landschaft verdankte ihre Entstehung dem Zusammenwirken von Luft, die Wasserdampf enthielt, und der Oberfläche der Berge. Aus einfachen naturwissenschaftlichen Vorgängen entstand – durch Ver­flechtung dieser beiden Dinge – eine neue, wahrhaft staunenswerte Einheit.

Während ich die eindrucksvolle Szenerie genoss, hatte ich plötzlich das Gefühl, sie habe mir etwas über die zeitgenössische Architektur zu sagen. Die Welt ist ein Gewebe miteinander verflochtener und verknüpfter Ordnungssysteme. Und wie die Berge die Wolken anzuziehen schienen, schienen die Formen, die daraus hervorgingen, weitere Verflechtungen zu verursachen und dadurch eine noch höhere Einheit zu erzeugen. Die Emergenz dieser lebendigen Szenerie war durchdrungen von einer unveränderlichen Komplexität und schuf eine Welt, die sich ständig erneuerte. ...

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