ARCH+ 208


Erschienen in ARCH+ 208,
Seite(n) 100-101

ARCH+ 208

Local Community Area. Kommunale Wohngruppen versus Einfamilienhaus

Von Yamamoto, Riken

Privatheit und Sicherheit spielen im Wohnungsbau in Japan eine entscheidende Rolle. Die Gewährleistung der Privatsphäre und verlässlicher Sicherheit ist daher für den japanischen Immobilienmarkt, vor allem im exklusiven Segment, eine unerlässliche Grundbedingung. So muss die Eingangstür des Gebäudes sich automatisch schließen, und Besucher müssen mit den Bewohnern per Gegensprechanlage kommunizieren und für unbedenklich erklärt werden, bevor sie das Haus betreten dürfen. Je näher eine Wohnung bei den Aufzügen liegt, desto besser, da sich so die Wahrscheinlichkeit unterwegs jemandem zu begegnen entsprechend verringert. Jede Wohnungstür muss mit zwei Schlössern oder sogar mit einem biometrischen Schloss versehen sein, das sich nur mit dem entsprechenden Fingerabdruck öffnen lässt. Sobald die Türe von Innen verschlossen ist, ist die Wohneinheit ein vollständig geschlossener Raum. Das Apartment muss unbedingt schalldicht sein. Falls man die Nachbarn in den angrenzenden Wohneinheiten hört, handelt es sich um billiges Wohneigentum. Dies alles halten die Leute für die erstrebenswerten Standards, nicht nur in Bezug auf Eigentumswohnungen, sondern auch bei freistehenden Einfamilienhäusern.

Auch im sozialen Wohnungsbau werden Privatheit und Sicherheit besonders geschätzt. Die Sorge um den Schutz der Privatsphäre begann in Japan mit dem öffentlichen Wohnungsbau, der im Kontext des Wiederaufbaus nach dem Krieg von der staatlichen Housing Corporation verantwortet wurde. In jener Zeit bildete sich das bis heute gängige Standardmodell heraus: eine Familie pro Wohneinheit, oder einfacher: ein Haus = eine Familie. Durch das Leben in solchen Einfamilienhäusern erhielten die Japaner eine "Schulung" in Sachen Privatheit und Sicherheit. ...

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