ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 32-41

ARCH+ 230

Asylarchitekturen als Verhandlungsräume

Von Misselwitz, Philipp /  Dalal, Ayham

Mit dem Anstieg der globalen Fluchtbewegungen in den letzten Jahren traten die Orte für die Notunterbringung und -versorgung geflüchteter Menschen stärker in das öffentliche Bewusstsein. Solche Anlagen werden meist in kurzer Zeit aus standardisierten, vorgefertigten Elementen wie Zelten oder Containern errichtet. Sie sind gebaute Zeugnisse eines universellen Hilfsgedankens, der sich nach Abschluss der Genfer Flüchtlingskonvention 1951 etabliert hat und der Weltgemeinschaft Verantwortung für den Schutz Geflüchteter in Notsituationen überträgt, wobei geordnete und hygienische Verhältnisse gefordert sind. So entwickelte sich ein komplexes, durch internationale Spenden finanziertes Konstrukt humanitärer Hilfsorganisationen mit dem UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) an der Spitze, das weltweit über 17 Millionen Geflüchtete mit Nahrung, Bildung und Gesundheitsleistungen versorgt.

Doch die Umsetzung humanitären Schutzes führt in der Praxis zu vielen Ambivalenzen und Problemen, die zunehmend zur Kritik auch an den verantwortlichen humanitären Organisationen führen. Der universelle Hilfsgedanke kann schnell zu einem technokratischen Versorgungsregime von „Care and Control“ umschlagen, das nicht den spezifischen Bedürfnissen der Geflüchteten angepasst ist. Diese Konflikte verstärken sich zumeist, je länger die als kurzfristige Provisorien konzipierten Flüchtlingslager existieren. Für Geflüchtete selbst kann der anfangs willkommene Schutz so schnell zu einem Albtraum dauerhaften Wartens werden. Die universalistische Versorgungslogik der humanitären Hilfsorganisationen wird zunehmend als bedrückend empfunden, weil sie die individuellen Rechte und Bedürfnisse der Einzelnen einschränkt.

Auf der Suche nach Wegen aus dieser quasi vorprogrammiert erscheinenden Krise lohnt sich ein Blick in die Notaufnahmearchitekturen selbst. Schon nach kurzer Zeit initiieren Geflüchtete physische und materielle Veränderungen:

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